Terrorismus : Schwierige Ermittlungen zu Kofferbomben-Anschlag

Im Fall der gescheiterten Kofferbombenanschläge auf zwei Regionalzüge ist die Bundesanwaltschaft von einer Anklage gegen die beiden festgenommenen Tatverdächtigen noch weit entfernt.

Karlsruhe - "Wir werden bestimmt noch sechs Monate ermitteln müssen, um ein Gesamtbild von dieser ungeheuerlichen Tat haben zu können", sagte der zuständige Bundesanwalt Rainer Griesbaum.

Generalbundesanwältin Monika Harms warnte unterdessen vor möglichen weiteren Anschlägen in Deutschland. "Die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus darf nicht unterschätzt werden", sagte sie bei der Jahrespressekonferenz. Es sei "mit der Möglichkeit terroristischer Anschläge zu rechnen".

Schwierige Zusammenarbeit mit libanesischen Behörden

Griesbaum sagte weiter, der Kofferbomben-Fall sei "etwas kompliziert", weil es Ermittlungen in Deutschland und im Libanon gebe, wo einer der beiden Tatverdächtigen - der Libanese Jihad H. - in Haft sitzt. Die Kofferbomben waren am 31. Juli in Dortmund und Koblenz in zwei Regionalzügen sichergestellt worden. Harms ergänzte, es sei "in nächster Zeit nicht damit zu rechnen, dass wir Jihad H. nach Deutschland ausgeliefert bekommen". Die Zusammenarbeit mit den libanesischen Behörden sei "bisweilen schwierig".

Griesbaum zufolge ist die Bundesanwaltschaft inzwischen "in Besitz der richterlichen Vernehmung von Jihad H. in Beirut". Dabei habe dieser gesagt: "Wir wollten möglichst viele Menschen in den Zügen töten." Jihad H. habe auch nie damit gerechnet, das die Bomben nicht zündeten. Die Kofferbomben hätten demnach am 31. Juli um 14.30 und 14.35 Uhr explodieren sollen - also nur wenige Minuten vor der jeweiligen Ankunft in Koblenz und Hamm um 14.40 Uhr. Untersuchungen zufolge hätte es einen "Feuerblitz mit einem Durchmesser von 20 bis 30 Metern" gegeben. Den Bau der Bomben hätten Jihad H. und sein mutmaßlicher Komplize Yusuf D. im Internet recherchiert.

Bekämpfung von "Cyber-Djihadisten"

Harms kündigte an, dass die Ermittlungsbehörden im kommenden Jahr wegen der zunehmenden Nutzung des Internets durch islamistische Terroristen "das weltweite Netz verstärkt in den Blick nehmen" würden. Sie sprach von einem "Cyber-Djihadismus".

Im Fall des vereitelten Anschlags auf ein Verkehrsflugzeug am Frankfurter Flughafen sagte Harms, hier werde weiter ermittelt. Sie wies Kritik zurück, dass die Bundesanwaltschaft in diesem Fall die Terrorgefahr aufgebauscht habe. Griesbaum sagte, man habe einen belastbaren Hinweis darauf gehabt, dass es aus einem Personenkreis heraus "entsprechende Planungen gibt". Für die Ermittler sei "die Frage im Moment: sollte es Spaß sein oder sollte es ernst sein".

Rechtsextremismus darf nicht vergessen werden

Im Fall der Strafanzeige von Menschenrechtlern gegen den ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wegen Kriegsverbrechen im irakischen US-Gefängnis Abu Ghraib und im US-Gefangenenlager Guantanamo läuft die Prüfung. "Wie der Prüfungsvorgang ausgeht, kann ich im Augenblick noch nicht sagen", sagte der zuständige Bundesanwalt Rolf Hannich.

Bei den Ermittlungen wegen angeblicher Folterungen von Terrorverdächtigen im US-Militärgefängnis in Mannheim habe der Informant des Anzeigeerstatters "trotz intensiver Ermittlungen" nicht ausfindig gemacht werden können. "Deshalb haben wir kaum noch Ermittlungsmöglichkeiten", sagte Hannich.

Harms warnte davor, über den religiös motivierten Terrorismus die rechtsextremistisch motivierten Straftaten zu vergessen. Sie sei besorgt, dass hier "bundesweit die Aktivitäten zunehmen". (tso/ddp)

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