Politik : Terrorismus: Welche Staaten unterstützen den Terror?

Hans Monath

Die Bedeutung staatlicher Unterstützung für die weltweit gesuchte Gruppe um Osama bin Laden ist unter Wissenschaftlern und Analytikern umstritten. Terror-Experte Kai Hirschmann von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Bonn traut keiner der Regierungen der von den USA als Terror-Unterstützer verdächtigten Staaten zu, dass sie von den Anschlägen in den USA wusste und ihre Vorbereitung unterstützt hat. Zu diesen Ländern zählen nach US-Einschätzung Afghanistan, Irak, Iran, Libyen, Syrien, Sudan und Nordkorea.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Nordkorea hat nach Einschätzung Hirschmanns mit der Förderung terroristischer Anschläge nichts zu tun, auch für Syrien, Sudan und Libyen schließt der Experte eine solche Unterstützung aus. Angesichts der Dimensionen der Terrorangriffe seien Regierungen, die eine Wiederannhäherung an die internationale Staatengemeinschaft betrieben, zu solchen Risiken nicht bereit.

Selbst bei Irak, dessen Regierungschef Saddam Hussein die Anschläge begrüßte, bewertet der Experte eine mögliche Verstrickung sehr zurückhaltend: Da Saddam Hussein im Falle einer Verwicklung in die Angriffe mit Gegenschlägen rechnen müsse, die seine eigene Macht zerstörten, sei es unwahrscheinlich, dass er von dem Vorhaben gewusst oder es gefördert habe. Nach Einschätzung von Hirschmann hat "am ehesten" die Regierung in Kabul die Vorbereitungen aktiv unterstützt.

Das Bin-Laden-Netzwerk hält der Terror-Spezialist für fähig, den Anschlag ohne den Rückgriff auf staatliche Logistik durchzuführen - das Ausbildungscamp für militärische und terroristische Fähigkeiten in Afghanistan biete dazu ausreichende Basis. Die Terroristen neuen Typs arbeiteten offensichtlich nicht in einer klassischen hierarchischen Struktur, sondern dezentral und mit neuesten technischen Kommunikationsmitteln vernetzt. So sei denkbar, dass von 50 Tätern nur zehn von dem Gesamtplan gewusst hätten. Für die Bekämpfung der Gefahr ist nach Ansicht von Hirschmann deshalb die geheimdienstliche Durchdringung der Tätergruppen die wichtigste Aufgabe.

Anders bewertet Holger Mey vom ebenfalls in Bonn angesiedelten Institut für strategische Analysen die Autonomie der Terrorgruppe: "Die Gastgeberländer haben eine Schlüsselrolle." Mit Sicherheit seien die Täter auf staatliche Strukturen und staatliche Unterstützung angewiesen gewesen. Deshalb sei die Antwort der Vereinten Nationen richtig, Gastgeberländer ebenso zur Rechenschaft zu ziehen wie die Täter selbst: "Es geht nicht nur um Terroristen, sondern auch um Terrorismus."

Zu der von Staaten geleisteten Unterstützung für terroristische Gruppen zählt Mey unter anderem die Billigung ihrer Ziele und Mittel in der Propaganda, den Schutz von international gesuchten Tätern, die Bereitstellung von Trainingscamps, eine direkte Finanzierung sowie auch schon die Duldung wirtschaftlicher Unternehmungen, mit denen solche Gruppen sich finanzieren. Der Strategie-Experte empfiehlt, die Regierungen mit massivem Druck und der Androhung eines diplomatischen und wirtschaftlichen Boykotts dazu zu bewegen, ihre Unterstützung für Terroristen einzustellen. Gleichzeitig müssten Regierungen, die sich am Kampf gegen den Terrorismus beteiligten, durch spürbare wirtschaftliche Hilfe belohnt werden.

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