Terrorismus : Wie gefährlich sind Selbstmordattentäter für Deutschland?

ddp-Korrespondent Friedrich Kuhn

Washington/KabulGeheimdienstexperten sehen eine wachsende Gefahr für Anschläge von islamistischen Selbstmördern in Deutschland. Aufgrund neuer Gefahrenanalysen gebe es "klare Indizien für solche Attentate auf deutschem Boden", war aus Kreisen des amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes CIA zu hören.

Diese gefährliche Entwicklung wird in Zusammenhang mit den vom Bundestag verabschiedeten neuen Mandaten für den Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch gebracht. Die Islamisten seien darüber "enorm aufgebracht wollen jetzt mit allen Mitteln den Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan erzwingen", sagte ein CIA-Mann.

Von deutschen Geheimdiensten wird auf das neue Video mit Terrordrohungen auch gegen Deutschland verwiesen, das dem Österreichischen Rundfunk (ORF) zugespielt wurde. Das Bundeskriminalamt (BKA) stufte das von der "Globalen Islamistischen Medienfront" (GIMF) stammende Video als echt ein. Unter anderem wird Deutschland darin vorgehalten, sich "am Kreuzzug gegen die Muslime" zu beteiligen. Dem GIMF wird von den Geheimdiensten ein direkter Draht zu der Terrororganisation Al-Qaida zugeschrieben.

In der Videobotschaft werden Deutschland und Österreich mit Anschlägen bedroht, falls sie ihre Soldaten nicht aus Afghanistan abziehen. "Die Mudschaheddin haben euch bisher noch verschont, deshalb ist die Zahl Eurer Getöteten nicht besonders hoch", heißt es in dem Video. Das werde bald anders sein, weil sich die Winteroffensive auch auf den bisher relativ ruhigen Norden Afghanistans erstrecken werde.

Im Norden Afghanistans trägt die Bundeswehr die Verantwortung. Dieser Passus im Video wird von Geheimdienstlern in Kabul daher als Ankündigung für ein bevorstehendes massives Vorgehen der Taliban gegen deutsche Soldaten gewertet. Denn Österreich hat am Hindukusch nur wenige Militärberater stationiert.

Erst Anfang November waren beim bisher schwersten Selbstmordanschlag im nordafghanischen Kommandobereich der Bundeswehr über 40 Afghanen getötet worden, darunter auch mehrere Parlamentarier aus Kabul. Sie hatten die Zuckerfabrik in Baghlan besichtigt, die mit deutscher Hilfe wiederaufgebaut wurde.

CIA-Experten weisen darauf hin, dass die islamistischen Taliban mehr und mehr zu Selbstmordattentaten übergehen, weil sie damit "größere Effekte" erreichen könnten als beispielsweise in direkten Gefechten mit den Isaf-Truppen im Land. So sind in diesem Jahr in Afghanistan etwa 200 Menschen, darunter auch Bundeswehrsoldaten, bei mehr als 130 Selbstmordanschlägen der Islamisten getötet worden.

Baghlan wird von den westlichen Geheimdiensten als "erschreckendes Beispiel" angesehen, das Deutschland sowie andere europäischen Ländern betreffen könnte, die Soldaten in Afghanistan stationiert haben. Es gebe Hinweise, dass islamistische Selbstmörder mit ihren Sprenggürteln bereits in Deutschland eingeschleust worden seien, hieß es.

Doch auch in Afghanistan gibt es Befürchtungen, dass sich ein Fall wie die Entführung von Südkoreanern vom Sommer wiederholen könnte. Schließlich habe der Erfolg die Islamisten nach Einschätzung von den Geheimdiensten erst "ermuntert", auf allen möglichen Wegen den Abzug von ausländischen Soldaten zu erzwingen. So unternimmt die Bundeswehr nach Aussage von Offizieren alles, um eine Entführung ihrer Soldaten zu verhindern. Denn das wäre der "worst case", der schlimmste Fall, mit dem die Islamisten versuchen könnten, einen Abzug der Bundeswehrsoldaten zu erzwingen.

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