Terrorismus : Wollte die RAF Willy Brandt entführen?

Nach der Freigabe der RAF-Urteile zum Buback-Mord kommen weitere Terrorpläne aus den 70er Jahren ans Licht. 1977 soll "eine Aktion gegen Willy Brandt" besprochen worden sein.

070816brandt
Willy Brandt: Ziel einer Entführungsaktion der RAF? -Foto: ddp

HamburgTerroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) sollen 1977 auch eine Entführung des damaligen SPD-Vorsitzenden Willy Brandt und einen Anschlag auf eine Außenministerkonferenz in Luxemburg geplant haben. Das gehe aus dem bisher geheim gehaltenen und gestern veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart vom April 1985 gegen die früheren RAF-Terroristen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt hervor, berichtet die "Bild"-Zeitung. Danach soll Mohnhaupt am 16. April 1977 bei einem konspirativen Treffen mit vier anderen RAF-Terroristen in Utrecht (Niederlande) "eine Aktion gegen Willy Brandt" besprochen haben.

Dabei sei es wahrscheinlich um eine mögliche Entführung des Ex-Bundeskanzlers und einen Austausch gegen RAF-Häftlinge, die in Stuttgart-Stammheim inhaftiert waren, gegangen. In dem Urteil werden die Überlegungen der Terroristen mit den Worten wiedergegeben: "Ein solches Unternehmen sollte dem Ziel einer Befreiung der Stammheimer Häftlinge nutzbar gemacht werden."

Sprengladungen auf Außenministerkonferenz

Im Juni 1977 plante die RAF offenbar zudem einen Anschlag auf eine Außenministerkonferenz in Luxemburg. Das Tagungsgebäude sei bereits ausspioniert worden. Dem Urteil zufolge schlug der inzwischen aus der Haft entlassene frühere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock damals seinen Komplizen vor: "Man könnte unter Einsatz eines Lastkraftwagens die Fensterfront des Konferenzsaales durchbrechen und dann Sprengladungen hochgehen lassen."

Bisher unbekannte Details enthalte das Urteil auch über die Entführung und Ermordung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer im Herbst 1977. Danach sollen die Terroristen während der Entführung persönlich beim Sohn und guten Freunden Schleyers angerufen haben. Damit sollte der Druck auf die Bundesregierung erhöht werden, auf die Forderung der Terroristen nach Freilassung inhaftierter RAF-Gesinnungsgenossen einzugehen. Dem Urteil zufolge gab es allein am 12. und 13. September 1977 insgesamt 21 Anrufe der Terroristen, bei denen sie den Angerufenen ihre Forderungen Wort für Wort diktierten. (mit ddp)

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben