Terrorismus : Zwölf Jahre für einen Kofferbomber

Vor knapp eineinhalb Jahren scheiterten zwei mutmaßliche Terroristen mit ihren Anschlägen auf zwei Regionalzüge. Einer der beiden wurde jetzt im Libanon verurteilt. Sein Komplize steht in Düsseldorf vor Gericht.

DüsseldorfJihad H. hatte gestanden, gemeinsam mit seinem Landsmann Youssef Mohamad El H. im Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in Regionalzügen deponiert zu haben. Sein Anwalt erklärte, das Urteil wegen "versuchten Massenmordes" sei zu hart und kündigte Berufung an. Drei der Mitangeklagten wurden bereits am Freitag von dem libanesischen Strafgericht freigesprochen.

Seinen Komplizen, den 23-jährigen in Deutschland verhafteten Libanesen, Youssef El H., verurteilte das Beiruter Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft, von denen er nach libanesischer Praxis bis zu 21 Jahren verbüßen müsste. Er befindet sich allerdings seit August 2006 in deutscher Untersuchungshaft. Im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts begann  heute für ihn der Prozess. Er wird sich wegen vielfachen versuchten Mordes und versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten müssen.

Er und sein im Libanon verurteilter Kompagnon sollen laut Bundesanwaltschaft am 31. August 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in Regionalzügen in Richtung Hamm beziehungsweise Koblenz deponiert haben. Videokameras hatten beide Männer im Kölner Hauptbahnhof gefilmt. Nur aufgrund von Konstruktionsfehlern waren die Kofferbomben nicht explodiert. Die Verteidigung wird darauf plädieren, dass die Fehler geplant waren und die Sprengsätze nicht in die Luft gehen sollten.

Vermutlich war es den Kofferbombern nicht gelungen, das richtige Gasgemisch herzustellen. Wären die Sprengsätze explodiert, hätte es Experten zufolge wohl einen Feuerball gegeben, ausgelöst durch Plastikflaschen mit Brandbeschleuniger, die neben Gasflaschen, Drähten und Batterien in den Koffern gefunden wurden. Die Waggons wären ausgebrannt, die Züge wahrscheinlich entgleist.

Für eine Terrorvereinigung fehlt einer

Der Anklage zufolge waren die beiden Männer, die nach dem Deponieren der selbst gebastelten Bomben die Züge bei  nächster Gelegenheit verlassen hatten, noch am Tattag vom Flughafen Köln/Bonn nach Istanbul und weiter nach Damaskus geflogen. Von dort reisten sie über den Landweg in den Libanon ein.

Als Motiv der Ex-Studenten gilt unter anderem die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen. Den Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erhebt die Staatsanwaltschaft in der 40-seitigen Anklageschrift nicht. Dazu fehlt den Ermittlern ein dritter Verdächtiger: Denn eine Terrorvereinigung besteht nach deutschem Recht aus mindestens drei Terroristen. Der Prozess in Düsseldorf wird voraussichtlich mindestens bis Sommer 2008 andauern. (mpr/ddp/dpa/AFP)

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