Politik : Terroristen droht lebenslang

„17. November“ tötete auch Mann der Athener Bürgermeisterin

Gerd Höhler

Athen. Ein Gericht in Athen hat am Montag 15 Männer der Beteiligung an Terrorakten der Organisation „17. November“ für schuldig befunden. Vier der insgesamt 19 Angeklagten wurden wegen unzureichender Beweise freigesprochen, darunter die einzige beschuldigte Frau. Die Strafmaße sollen ab Mittwoch verkündet werden.

Insgesamt ging es um 78 Verbrechen. Die Organisation „17. November“ hatte zwischen 1975 und 2002 in Griechenland 23 Morde sowie Dutzende von Sprengstoffanschlägen und Banküberfällen begangen. Mit mehrfach lebenslanger Haft muss der Gründer und Chefideologe der Terrorgruppe rechnen, der 58-jährige Alexandros Giotopoulos. Er leugnete bis zuletzt jede Verbindung zu der Terrorgruppe. Ebenfalls lebenslange Haftstrafen dürften auf Dimitris Koufodinas und Savvas Xiros zukommen. Koufodinas ist der operative Chef der Gruppe, Xiros soll an neun Morden beteiligt gewesen sein. Eine vorzeitig explodierte Bombe, die Xiros im Sommer 2002 schwer verletzte, brachte die Polizei auf die Spur der Terrororganisation.

„Wir respektieren die Urteile, aber das bringt unsere Menschen nicht zurück“, sagte die Athener Bürgermeisterin Dora Bakojannis. Ihr Mann, der konservative Parlamentsabgeordnete Pavlos Bakojannis, war im September 1989 von den Terroristen des „17. November“ ermordet worden. Zur Urteilsverkündung war auch Heather Saunders gekommen, die Witwe des im Sommer 2000 vom „17. November“ erschossenen britischen Militärattaches. „Darauf haben wir gewartet“, sagte sie, als der Schuldspruch gegen Giotopoulos verkündet wurde.

Zwar schließen die Fahnder nicht aus, dass weitere Mitglieder des „17. November“ noch auf freiem Fuß sind. Die Organisation gilt jedoch als zerschlagen. „Wir schließen mit diesem Prozess ein sehr wichtiges Kapitel in der Geschichte des Terrorismus“, sagte der Minister für öffentliche Ordnung, Jorgos Floridis. Justizminister Philippos Petsalnikos sagte, der Prozess sei „eine großartige Leistung unserer Rechtskultur“.

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