Politik : Terroristen werden den Mullahs lästig

Iran weist Al-Qaida-Kämpfer aus – aus Angst vor den USA

Frank Jansen

Iran versucht offenbar, aus dem Verdacht der Komplizenschaft mit Al Qaida herauszukommen. Außenminister Kamal Charrasi gab am Wochenende bekannt, mehr als 500 Mitglieder der Organisation seien ausgewiesen worden. Auch ein Sohn Osama bin Ladens soll nach Informationen deutscher Sicherheitskreise das Land verlassen haben. Ob es sich um den angeblich ältesten Sohn names Saad bin Laden handelte, wie verschiedene Agenturen berichteten, sei jedoch unklar. Charrasi hatte Saad bin Laden nur am Rande erwähnt: Sollte sich dieser in Iran aufhalten, werde er „sicher festgenommen“.

Trotz des Rauswurfs der Al-Qaida-Terroristen halten Sicherheitskreise der iranischen Führung ein zumindest dubioses Verhältnis zum islamistischen Terrorismus vor. So konnte eine Führungsfigur der Al Qaida, Ahmad Fadeek al Khalalilah alias Abu Musab al Zarqawi, in Iran nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts aus Afghanistan fliehende Kämpfer mit neuen Pässen ausstatten und in Richtung Europa schleusen. Generalbundesanwalt Kay Nehm ermittelt gegen Zarqawi wegen „Rädelsführerschaft“ in der mit Al Qaida verbündeten Terrororganisation „Al Tawhid“. Mitglieder von Al Tawhid sollen Anschläge in Deutschland geplant haben. Zarqawi befindet sich zurzeit möglicherweise an der iranisch-irakischen Grenze.

Im nordirakischen Kurdengebiet, das Saddam Hussein nicht mehr beherrscht, hält die Islamistentruppe „Ansar al Islam“ („Partisanen des Islam“) einen schmalen Streifen in Sichtweite Irans besetzt. Bei Ansar al Islam spiele Zarqawi eine zentrale Rolle, heißt es in Sicherheitskreisen. Vermutlich werden die etwa 700 Mann, die mit dem hochgiftigen Rizin experimentiert haben sollen, von Iran unterstützt, auch mit Waffen. Mehr als 100 „Partisanen des Islam“ sind Kämpfer von Al Qaida und Taliban, die über Iran in den Irak gelangten.

Nach Ansicht der USA unterhalten Ansar al Islam und Zarqawi Kontakte zu Bagdad. In seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat sagte Außenminister Colin Powell, Zarqawi habe mit Duldung Saddam Husseins im Irak eine Al-Qaida-Zelle aufgebaut. Diese Vorwürfe seien auch für Iran gefährlich, heißt es in deutschen Sicherheitskreisen. Angesichts des Verdachts, Teheran unterstütze wie Bagdad Ansar al Islam, Zarqawi und damit Al Qaida, setze sich Iran dem Risiko eines US-Militärschlags aus.

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