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Terrormiliz im Irak und Syrien : IS schießt syrischen Kampfjet ab

Die USA haben ihre Angriffe gegen die IS-Dschihadisten auf den Süden des Iraks ausgeweitet. Doch die Islamisten lassen sich nicht einschüchtern - auch nicht vom Assad-Regime.

IS-Anhänger präsentieren angebliche Wrackteile eines syrischen Kampfjets.
IS-Anhänger präsentieren angebliche Wrackteile eines syrischen Kampfjets.Foto: Reuters

Der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien ist es am Dienstag offenbar erstmals gelungen, einen syrischen Kampfjet abzuschießen. Das Flugzeug soll die IS-Hochburg Rakka bombardiert haben. "IS-Kämpfer
feuerten auf ein Militärflugzeug, das abstürzte", teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, die sich auf ein Netz an Aktivisten stützt. Die Islamisten stellten ein Foto des mutmaßlichen Wracks ins Netz.

US-Angriffe in der Umgebung Bagdads

Erstmals bombardierten die USA eine Stellung der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad. Wie das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom am Montagabend mitteilte, diente der Angriff unter anderem der Unterstützung der irakischen Streitkräfte. Ein ranghoher US-Beamter warnte unterdessen die syrische Armee vor Angriffen auf US-Kampfjets, sobald diese gegen den IS in Syrien vorgingen.

Der US-Luftangriff nahe Bagdad zielte Centcom zufolge auf eine IS-Stellung südwestlich der Stadt. Die Dschihadisten hätten von dort aus Schüsse auf irakische Soldaten abgegeben. Der US-Luftangriff sei Teil der "erweiterten Bemühungen, US-Einrichtungen zu schützen, humanitäre Hilfen zu unterstützen und der irakischen Armee im Kampf gegen IS-Terroristen zu helfen".

Weiterer Luftangriff im Nordirak

Ein weiterer US-Luftangriff zielte den Angaben zufolge auf die Region nahe dem Sindschar-Gebirge im Nordirak. Dabei seien sechs Fahrzeuge der Dschihadisten zerstört worden. Die US-Luftangriffe hatten sich bislang auf den Norden des Landes konzentriert. Im August waren zehntausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden vor dem Vorstoß der IS-Kämpfer in das nördliche Sindschar-Gebirge geflüchtet.

Die USA fliegen bereits seit Anfang August Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Mit den jüngsten Luftangriffen nahe Bagdad und dem Sindschar-Gebirge summiert sich die Zahl der US-Angriffe nach Armeeangaben auf 162. US-Präsident Barack Obama hatte vor knapp einer Woche eine Ausweitung der Luftangriffe im Irak angekündigt.

Irak-Konferenz: Knapp 30 Staaten sagen Hilfe zu

Die internationale Staatengemeinschaft hatte dem Irak am Montag weitgehende Hilfe im Kampf gegen den IS zugesagt. Der Irak solle "mit allen notwendigen Mitteln, einschließlich angemessener militärischer Hilfe" unterstützt werden, hieß es in der Abschlusserklärung einer Irak-Konferenz mit knapp 30 Staaten und Organisationen in Paris. Der irakische Präsident Fuad Masum hatte dabei explizit um militärische Hilfe gebeten.
Frankreich erwägt eine Beteiligung an den Luftangriffen gegen den IS im Irak, nicht aber in Syrien. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Paris, dass sich Deutschland an Luftangriffen nicht beteiligen werde.

Bei der Pariser Irak-Konferenz waren 26 Staaten sowie die EU, die Uno und die Arabische Liga vertreten. Der Iran, der Bagdad im Kampf gegen den IS unterstützt, wurde nicht eingeladen. Eine Sprecherin von US-Außenminister John Kerry sagte in Paris, es werde keine "militärische Koordination" mit dem Iran geben. Zugleich stellte sie aber "diplomatische Diskussionen" in Aussicht.

Das verstärkte Vorgehen der USA gegen die Dschihadisten sieht auch Luftangriffe gegen den IS in Syrien vor, weil die Gruppe sowohl im Irak als auch in Syrien weite Landesteile unter ihre Kontrolle brachte und dort ein sogenanntes Kalifat ausrief. Die Angriffe sollen ohne Absprache mit der umstrittenen syrischen Staatsführung in Damaskus erfolgen.

US-Militär warnt Syrien

Ein ranghoher US-Beamter warnte am Montag die syrische Armee von Staatschef Baschar al-Assad vor Angriffen auf US-Flugzeuge, sobald diese mit Luftangriffen gegen IS-Kämpfer in Syrien vorgingen. Das US-Militär werde in einem solchen Fall zurückschlagen, um die eigenen Piloten zu schützen. Ein syrischer Minister hatte nach der Ankündigung von US-Luftangriffen auf den IS in Syrien erklärt, jeder Angriff gegen die Gruppe auf syrischem Territorium ohne Zustimmung aus Damaskus werde als Angriff auf Syrien gewertet.

Die Terrormiliz rekrutiert nach Informationen der Zeitung „New York Times“ zunehmend auch in der Türkei neue Mitglieder. Bis zu 1000 Türken hätten sich bislang der Extremistengruppe angeschlossen, berichtete das Blatt am Montag (Ortszeit) unter anderem unter Berufung auf türkische Regierungsangaben. Die neuen Kämpfer fühlten sich sowohl von der Ideologie der Miliz als auch von der Bezahlung angezogen. Das Blatt berichtete von einem 27-jährigen Türken, der nach einer 15-tägigen Basisausbildung im syrischen Al-Rakka einer Kampfeinheit zugewiesen wurde. Er habe bereits zwei Männer erschossen und an einer öffentlichen Hinrichtung teilgenommen.

IS veröffentlichte neues Hinrichtungs-Video

Die Miliz hatte am Wochenende ein Video mit der Ermordung einer dritten westlichen Geisel im Internet veröffentlicht. Obama bezeichnete die Enthauptung entführter Geiseln als strategischen Fehler. Aus Wut über diese Morde hätten sich die Amerikaner schnell für einen Militäreinsatz gegen die Extremisten ausgesprochen, zitierte die „New York Times“ den Präsidenten.

Verteidigungsminister Hagel und Generalstabschef Dempsey sollen das weitere Vorgehen nun vor dem Streitkräfteausschuss des Senats erläutern. Dabei müssen sie sich auf harte Fragen der Mitglieder gefasst machen. Der Senat muss gemeinsam mit dem Abgeordnetenhaus entscheiden, ob die USA wie von Obama gefordert die „moderaten“ syrischen Rebellen trainieren und ausbilden sollen. Während einige Kongressmitglieder befürchten, dass Ausrüstung des US-Militärs in die falschen Hände geraten könnte, sehen andere diesen Schritt als entscheidend im Kampf gegen den IS. Die Terrormiliz kontrolliert auch weite Teile des irakischen Nachbarlandes.

In Syrien halten die Extremisten auch einen 47-jährigen Briten gefangen, mit dessen Ermordung sie gedroht haben. Der britische Außenminister Philip Hammond sagte in Paris, die Suche nach ihm und möglichen anderen Geiseln sei bislang erfolglos. „Wenn wir wüssten, wo sie sind, wäre das eine andere Geschichte, aber wir wissen nicht, wo sie sind“, sagte Hammond über einen möglichen Einsatz von Spezialeinsatzkräften. Der Mann aus Manchester hatte sich im vergangenen Jahr an einem Hilfskonvoi für syrische Kinder beteiligt und war in die Hände des IS geraten. (AFP/dpa)

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