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Terrormiliz IS : Helfen die USA Baschar al Assad?

Die Kritik am Vorgehen der USA gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ wächst. Nicht nur die syrischen Rebellen halten den Einsatz für riskant und kontraproduktiv. Was bringen die Luftschläge?

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Ins Dunkle. Für die US-Piloten sind die Ziele schwer auszumachen.
Ins Dunkle. Für die US-Piloten sind die Ziele schwer auszumachen.Foto: AFP

Jahrelang haben die Gegner von Baschar al Assad um US-Luftangriffe geradezu gebettelt. Keiner von ihnen jedoch hätte sich träumen lassen, dass es einmal so kommen könnte wie jetzt am Himmel über Syrien. US-Kampfjets attackieren Fahrzeuge und Stellungen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Syriens Diktator Assad dagegen, der den blutigen Bürgerkrieg mit mehr als 200.000 Toten angezettelt hat, muss nichts befürchten. Im Gegenteil: Seine Truppen nutzen momentan die neue Kampflage, um erneut gegen Aleppo vorzurücken und die wichtigste Nachschubverbindung der moderaten Rebellen mit der Türkei in ihre Gewalt zu bringen.

„Riskant und kontraproduktiv“, lautet das Urteil der Assad-Gegner im Norden Syriens über das Vorgehen der USA und ihrer fünf arabischen Mitstreiter. „Das Leiden der Zivilbevölkerung wird nur vergrößert“, sagte Raed Salah, Chef des Zivilschutzes in der Provinz Idlib, die weitgehend von der „Freien Syrischen Armee“ kontrolliert wird. Allein 15 Zivilisten seien bei einem Angriff von US-Jets auf das Dorf Kafar Daryan gestorben, obwohl es dort keine IS-Kämpfer gebe. In der Ortschaft Manbij seien mehrere Kornsilos zerstört worden, von denen die Versorgung der Hälfte der Bewohner von Idlib abhänge. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen klagen, Benzin sei unerschwinglich geworden, seit die alliierten Flugzeuge die primitiven Raffinerien des IS in der Region Deir Ezzor unter Feuer nehmen.

Die Kämpfer der IS rücken immer näher an Kobane heran. Ihre Fahne haben Sie bereits gehisst.

Washington bestreitet Absprachen

Aus den Rebellengebieten gibt es bereits erste Protestvideos im Internet. Menschen verbrennen amerikanische Flaggen und skandieren „Obama ist ein Handlanger von Baschar, dem Terroristen“. Gleichzeitig sind Vertreter der Opposition überzeugt, dass die USA ihre Angriffe mit dem Assad-Regime abstimmen. „In der Nacht bombt uns Amerika, am Tag bombt uns das Regime – es sieht so aus, als gäbe es eine Art Koordination“, sagte Yasir Al Sayeed, Mitglied im Stadtrat von Idlib. Washington dagegen bestreitet jede Absprache, bestätigte aber, dass man die Assad-Führung vor zwei Wochen offiziell über den Beginn der Luftschläge informiert habe.

In Syriens Bürgerkriegsdschungel gibt es schon längst keine klaren Kampflinien mehr, zumal viele Rebellen rasch wechselnde Bündnisse eingehen. Die Brigaden der moderaten „Freien Syrischen Armee“ (FSA) sind geschwächt. Ihre Gegner vom IS dagegen haben sich rasch auf die neuen Luftgegner eingestellt. Sie räumten ihre Hauptquartiere, versteckten ihre Geschütze, fahren nicht mehr in großen Kolonnen, operieren vor allem nachts und ziehen schwarze Flaggen über Wohnhäusern auf, um die Raketen auf die Zivilbevölkerung zu lenken. „Luftangriffe gegen den IS in Syrien helfen nicht weiter, sie können die Dschihadisten nicht besiegen, sie sind für den IS höchstens wie ein Kitzeln“, urteilte Hussam Al Marie, FSA-Sprecher in Nordsyrien gegenüber dem Internetblog „The Daily Beast“. Der IS sei kein richtiger Staat, den man angreifen könne.

Der Feind des Feindes

Und so klagen die US-Bomberpiloten, dass es immer schwieriger wird, Ziele auf dem Boden eindeutig auszumachen, vor allem bei schlechtem Wetter. Die Situation in und um Syrien zeigt auch, dass den angreifenden Jets Kampfbeobachter vor Ort fehlen, die das Feuer in die Stellungen des IS lenken könnten. In mindestens einen Fall wurde in der Region Idlib sogar irrtümlich eine FSA-Stellung bombardiert, bei der mehrere Kämpfer ums Leben kamen. „Wenn die Luftschläge in dieser Art weitergehen, wird höchstwahrscheinlich das Assad-Regime profitieren“, sagt Shadi Hamid, Wissenschaftler an der Brookings Institution in Washington.

Deren Vertreter in Damaskus machen keinen Hehl aus ihrer Genugtuung. Am Wochenende zeigte sich Machthaber Assad erstmals seit Monaten wieder in der Öffentlichkeit. Und sein Außenminister Walid Al Muallem ließ gönnerisch erklären, es sei „in Ordnung“, wenn die USA und ihre Partner seine Regierung nicht über jeden einzelnen Luftangriff informierten: „Wir kämpfen gegen Isis, sie kämpfen gegen Isis."

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