Terrorprozess : Sauerland-Angeklagte gestehen

In Verhören durch das Bundeskriminalamt haben die Angeklagten im Düsseldorfer Terrorprozess ihre Tatbeteiligung eingeräumt. Dies könnte den Prozess deutlich verkürzen.

DüsseldorfDie angekündigte Wende vollzieht sich: Nach längerem Schweigen nahmen die im Düsseldorfer Terrorprozess angeklagten Verdächtigen nun zu den Vorwürfen Stellung. Beamte des Bundeskriminalamts hätten in mehreren Gefängnissen am Dienstag mit ihrer Vernehmung begonnen, sagte Verteidiger Axel Nagler. "Die Angaben sind sehr umfangreich."

Was die Verhörten den Ermittlern erzählten, wollte Nagler aber nicht sagen: "Damit würde ich meinem Mandanten einen Bärendienst erweisen."

Die Angeklagten Fritz G., Daniel S., Adem Y. und Atilla S. sollen eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad Union gebildet und in Deutschland schwere Anschläge mit Autobomben geplant haben. Alle vier hatten sich in der vergangenen Woche überraschend dazu entschlossen, Geständnisse abzulegen. Adem Y. hatte dies damit begründet, dass ihm im Prozess "langweilig" sei.

Nachdem die vier ankündigten, sich erklären zu wollen, betonte der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling erneut, dass das Gericht an umfassenden Geständnissen interessiert sei, weniger an abgesprochenen Verteidiger-Erklärungen. Deswegen werden alle Angeklagten getrennt, aber zeitgleich von BKA-Beamten vernommen.

Um einen Abschluss dieser Vernehmungen zu ermöglichen, hatte das Düsseldorfer Oberlandesgericht den Prozess um einen weiteren Tag ausgesetzt. Am Mittwoch will die Kammer weiter verhandeln.

Mehrfach hatte Breidling eindringlich appelliert, ein Geständnis abzulegen, wenn es etwas zu gestehen gebe. Angesichts der gewaltigen Beweisfülle des Bundeskriminalamtes behaupteten selbst die Verteidiger bisher nicht, es säßen vollkommen Unschuldige auf der Anklagebank.

Der Richter stellte für die dann angekündigten Geständnisse Milde in Aussicht: "Dadurch, dass dies so frühzeitig geschehen ist, ist ein spürbarer Strafnachlass möglich."

Nach Hinweisen auch ausländischer Geheimdienste hatte das Bundeskriminalamt die Verdächtigen observiert und Anfang September 2007 im sauerländischen Oberschledorn von der Anti-Terror- Spezialeinheit GSG 9 festnehmen lassen. Einen weiteren verhafteten Beamte später in der Türkei. Der Prozess – eines der größten Verfahren seit RAF-Zeiten – war bislang auf zwei Jahre angelegt.
 

ZEIT ONLINE, tst, dpa, Reuters

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