Politik : Terrorverdacht: Drei Araber angeklagt

Frank Jansen

Berlin - Der Fall ist bizarr und zeugt von der kriminellen Fantasie in den Reihen Al Qaidas: Generalbundesanwalt Kay Nehm hält drei Arabern vor, sie hätten mit Versicherungsbetrug Geld für die Terrororganisation auftreiben wollen, vermutlich sollte auch ein Selbstmordanschlag finanziert werden. Außerdem soll der mutmaßliche Anführer versucht haben, in Luxemburg an Uran heranzukommen. Anfang Dezember hat Nehm beim Oberlandesgericht Düsseldorf Anklage gegen die Männer erhoben.

Der Generalbundesanwalt wirft dem mutmaßlichen Syrer Ibrahim Mohammed K. (30) und dem staatenlosen Palästinenser Jassir Abu S. (32) Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Beim Bruder des Palästinensers, Ismail Abu S. (28), lautet die Anklage auf Unterstützung einer Terrorgruppe. Allen dreien wird zudem gemeinschaftlicher Betrug in zehn Fällen sowie versuchter Betrug in 23 Fällen und die Verabredung zu einem Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz zur Last gelegt.

Vor etwa anderthalb Jahren soll der in Mainz lebende Ibrahim Mohammed K. die in Bonn und Marburg lebenden Brüder für Al Qaida rekrutiert haben. Ibrahim Mohammed K. war nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden ein hochrangiges Al-Qaida-Mitglied, angeblich hatte er sogar in Afghanistan Kontakt zu Osama bin Laden. 2002 soll K. nach Deutschland geschickt worden sein, um Geld zu beschaffen – und Selbstmordattentäter.

Jassir Abu S. stellte sich laut Nehm für den Märtyrertod im Irak zur Verfügung. Das blutige Finale sollte sich für Al Qaida auch materiell auszahlen. Von August 2004 bis Januar 2005 soll der Palästinenser bei zehn Assekuranz-Unternehmen Lebensversicherungsverträge über insgesamt 1,3 Millionen Euro abgeschlossen haben. Zu den Geschädigten zählten nach Informationen des Tagesspiegels der Gerling-Konzern und die Vereinigte Hannoversche Versicherung VHV. Bei weiteren 23 Versicherungen habe Jassir Abu S. versucht, Verträge mit einem Volumen von drei Millionen Euro zu beantragen, so der Generalbundesanwalt. Als Begünstigten habe der Palästinenser seinen Bruder angegeben. Ein Anschlag sollte natürlich nicht als Todesursache genannt werden. Nach Nehms Erkenntnissen planten die Verdächtigen, einen Verkehrsunfall in Ägypten vorzutäuschen, den Jassir Abu S. nicht überlebt habe.

Ende 2004 soll Ibrahim Mohammed K. außerdem versucht haben, über eine islamistische Gruppe in Luxemburg nukleares Material zu beschaffen. Offenbar vergeblich: Der Albtraum aller Sicherheitsbehörden, Bau und Einsatz einer mit radioaktiven Stoffen gespickten „schmutzigen Bombe“ durch Al Qaida, blieb aus. Im Januar wurden K. und Jassir Abu S. festgenommen, im Mai war Ismail Abu S. an der Reihe. Zuvor hatten die Behörden das Trio intensiv belauscht.

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