Terrorverdächtigter : Marokkaner Mzoudi hat Deutschland verlassen

Der vom Terrorvorwurf rechtskräftig freigesprochene Marokkaner Abdelghani Mzoudi hat heute Morgen Deutschland mit dem Flugzeug verlassen. Er kam damit einer drohenden Abschiebung zuvor. (21.06.2005, 11:54 Uhr)

Hamburg/Agadir - Eine um 3.50 Uhr in Hannover gestartete Chartermaschine brachte den 32-Jährigen in Begleitung seines Rechtsanwaltes Michael Rosenthal nach Agadir.

Am dortigen Flughafen sei Mzoudi zwar von Behördenvertretern empfangen worden, man habe jedoch nur «reizend» mit ihm geredet, sagte Rosenthal. «Im Moment sprechen keine Behördenvertreter mit Mzoudi.» Danach fuhr Mzoudi mit Familienmitgliedern und seinem Anwalt in einem Auto in Richtung seiner Heimatstadt Marrakesch, wo er noch am Nachmittag ankommen sollte. Laut Rosenthal geschieht dies ohne Bewachung durch den marokkanischen Geheimdienst. Der Anwalt meinte, sein Mandant sei «etwas müde, aber er plaudert angeregt». Rosenthal: «Es geht ihm gut.»

Ursprünglich wollte der 32-Jährige direkt nach Marrakesch zu seiner Familie fliegen. Das ließ sich nach Angaben seiner Hamburger Anwältin Gül Pinar aber nicht organisieren. Zur Begleitung ihres Mandanten durch ihren Kollegen Rosenthal meinte Pinar: «Wir wollen auf jeden Fall mitkriegen, was passiert.» Auch die Familie des 32- Jährigen habe sich in Marokko einen Rechtsbeistand genommen.

Mzoudi war durch den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am 9. Juni endgültig vom Verdacht freigesprochen worden, ein Helfer der Hamburger Todespiloten vom 11. September 2001 gewesen zu sein. Der BGH hatte die Revision der Bundesanwaltschaft gegen einen Freispruch durch das Hanseatische Oberlandesgericht vom Februar 2004 verworfen.

Hamburgs Innensenator Udo Nagel (parteilos) hatte daraufhin verkündet, der Marokkaner solle schnellstmöglich abgeschoben werden. «Mzoudi hat zwei Wochen Zeit, das Land zu verlassen», hatte Nagel erklärt. Diese Frist wäre am kommenden Donnerstag abgelaufen. «Mzoudi gehörte zur islamistischen Szene, gefährdete die Sicherheit Deutschlands und unterstütze ein terroristisches Netzwerk», betonte der Senator am Dienstag. Mit der Ausweisung sei ihm eine Wiedereinreise nach Deutschland verboten worden. Nagel: «Solche Leute haben in Deutschland nichts zu suchen.» (tso)

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