Terrrorismus : Bomben im belebten Basar

Bei einem Anschlag in Kairo sind vier Menschen ums Leben gekommen – schon 2005 war der historische Markt das Ziel von Attentätern.

Martin Gehlen[Kairo]

Die Bombe detonierte direkt vor einem Café in der Nähe der Hussein-Moschee und ließ Steine und Marmor durch die Luft fliegen. Vier Menschen wurden getötet, darunter eine französische Touristin. Wie die Sicherheitsbehörden mitteilten, starb sie auf der Intensivstation eines nahe gelegenen Krankenhauses. Mindestens 17 Menschen wurden bei der Explosion in dem 600 Jahre alten Markt verletzt, der zu den wichtigsten Touristenattraktionen der Stadt gehört. Unter den Verwundeten sind zehn Franzosen, zwei Deutsche, drei Bürger aus Saudi-Arabien und zwei Ägypter, wie Gesundheitsminister Hatem al-Gabali am Abend im ägyptischen Staatsfernsehen erklärte. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte in Berlin, die Botschaft in Kairo sei eingeschaltet und bemühe sich um Aufklärung. Sie bestätigte am späten Abend jedoch nur, dass ein Deutscher unter den Verletzten sei.

Der historische Markt Khan al-Khalili, wo unter anderem Souvenirs und Schmuck verkauft wird, ist jeden Abend voll von mit Touristen und Einheimischen. Auf dem Marmorboden vor der Moschee waren Blutspuren zu sehen. Das Gebiet um den populären Altstadtbasar wurde von der Polizei sofort weiträumig abgeriegelt. „Ich war gerade in der Moschee beim Gebet, als es einen riesigen Knall gab”, sagte ein Zeuge. „Die Leute gerieten in Panik und rannten hinaus.“ Kurze Zeit später schloss die Polizei den Haupteingang des Gebäudes und brachte die übrigen Besucher und Beter durch einen der Hinterausgänge ins Freie. Sprengstoffhunde suchten die Gegend ab, zahlreiche Feuerwehrwagen waren vor Ort im Einsatz.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden schleuderten die Attentäter die Bombe vom Dach herunter auf die in einem Cafe sitzenden Gäste. Eine zweite Bombe detonierte offenbar nicht, sondern wurde von Experten durch eine kontrollierte Explosion entschärft, nachdem die Polizei den Anschlagsort geräumt hatte. Verletzt wurde dabei niemand. Nach ersten Angaben könnte es sich um Handgranaten gehandelt haben. Bis zum späten Abend war völlig unklar, wer hinter dem Bombenanschlag stecken könnte.

Der Basar Khan al-Khalili war zuletzt im Jahr 2005 Ziel eines Bombenanschlags gewesen. Damals wurden zwei Französinnen getötet und 18 Menschen verletzt. Zuletzt gab es 2006 in dem Sinai-Ferienort Dahab einen größeren Anschlag, bei dem 20 Touristen getötet wurden. Im Jahr zuvor starben im Badeort Scharm el-Scheich mehr als 60 Menschen durch eine Bombe. Im September letzten Jahres waren elf Touristen, darunter fünf Deutsche, fünf Italiener und eine Rumänin, in der Nähe der sudanesisch-ägyptischen Grenze gekidnappt worden. Die Entführer waren jedoch keine radikalen Islamisten, sondern gehörten einer aus dem Sudan nach Ägypten eingedrungenen Bande von Bewaffneten an.

Der Tourismus gehört mit jährlichen Einnahmen in Höhe von rund sieben Milliarden Euro zu den wichtigsten Devisenquellen Ägyptens. Zwischen 2000 und 2007 verdoppelte sich die Zahl der ausländischen Besucher, zwölf Prozent aller Beschäftigten des Landes arbeiten mittlerweile in dieser Branche. Wegen der Wirtschaftskrise verlief die Touristensaison in Ägypten bisher sehr schwach. Der Anschlag von Kairo dürfte einen zusätzlichen Rückgang von Buchungen auslösen.

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