Politik : …Teufel auf Sinnsuche geht

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Politiker sein ist schwer. Schwerer aber ist es, Politiker gewesen zu sein. Denn nur wenigen ExStaatenlenkern billigt der Souverän ein Weiterleben in vollem Gepränge mit Büro, Büroleiter, Sekretärin, Bodyguards und Dienstwagen zu; die weniger bedeutenden finden sich von einem Tag auf den anderen in den Niederungen des wirklichen Lebens wieder wie ein Fallschirmspringer in der Wüste. All jene Tätigkeiten, die sie in Interviews über Jahrzehnte herbeigesehnt haben – Rosen züchten, das Rothaargebirge erwandern, den Enkelchen die Abseitsregel erklären – erweisen sich als unrealisierbar oder tödlich langweilig, und selbst der zuständige Ortsverband der Partei lädt bestenfalls einmal pro Quartal zu Kaffee und Kuchen ein. Einige Ex-Mächtige treten in Anwaltskanzleien ein, warten vergeblich auf Mandanten und schreiben Leserbriefe an die Qualitätspresse, die sie aber nie abschicken. Andere bereiten sich auf eine Weltumsegelung vor, die ihnen dann der Arzt verbietet. Traurig!

Was das für die Zukunft von Heide Simonis bedeuten könnte, ist bislang nicht einmal in Umrissen erkennbar. Doch sie könnte sich ein Beispiel an Erwin Teufel nehmen, dem scheidenden Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, der im kommenden Wintersemester ein Studium der Philosophie aufnimmt. Die Welt des Geistes sei ihm vertraut, sagt er, aber nun könne er sie endlich gründlich und zusammenhängend durchmessen, acht Semester lang bis zum Diplom.

Gut: Dass Teufel nicht Theologie studiert – geschenkt. Die Witze kennt er alle. Aber sämtliche Bildungsforscher hätten ihren rechten Arm darauf verwettet, dass es ihn nach Tübingen ziehen würde, wie es die Linsen zum Spätzle zieht. „Die starken Universitäten sind in Baden-Württemberg!“ hat er 2004 in einem Thesenpapier getönt. Und nun: München. München!

An den Studiengebühren kann es nicht liegen, die werden sie ihm da wie dort abverlangen. Sind die bayerischen Unis stärker? Oder ist Teufel selbst zu schwach für die hohen Anforderungen im Ländle? Ist er am Ende dem Numerus clausus zum Opfer gefallen?

Teufel auch: Der Ministerpräsident gibt ein Beispiel für viele Politiker, die nach seinem Vorbild späte Erfüllung finden können im Sinnstiftungsgewerbe. Auch für Heide Simonis wird sich noch was Angemessenes finden. Philosophie besser nicht, dafür ist sie zu hibbelig. Aber wie wäre es mit Mengenlehre? bm

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