Politik : Teure Betten

Patienten bleiben kürzer in Kliniken, die Kosten steigen dennoch

Rainer Woratschka

Für das kommende Jahr hat Ulla Schmidt den Kliniken eine Nullrunde verordnet – und dabei wohl schon die Kostensteigerungen von 2001 im Kopf gehabt. Nun hat das Statistische Bundesamt die Zahlen offiziell bekannt gegeben. Das Ausgabenplus in den Krankenhäusern liegt demnach bei 2,6 Prozent. Das ist zwar weit entfernt von den enormen Zuwächsen bei den Arzneimittelkosten, aber gleichwohl ein kleiner Rekord. In den Vorjahren bewegten sich die Steigerungen gerade mal um die zwei Prozent.

54,4 Milliarden Euro kostete der stationäre Aufenthalt von 16,6 Millionen Kranken im Jahr 2001. Die Personalkosten stiegen um zwei, die Sachkosten um 3,8 Prozent. Dabei gelang es den Kliniken, die Verweildauer weiter zu senken – von 10,1 auf 9,8 Tage im Schnitt, also um rund drei Prozent. Seit 1991 hat sie sich schon um ein knappes Drittel verkürzt. Im Gegenzug verdichtete sich die Arbeit, was sich an einer Zahl besonders gut ablesen lässt: Die Kosten pro Pflegetag stiegen um 5,2 Prozent auf 325 Euro. 1996 waren es, umgerechnet, noch 277 Euro.

Mit Blick auf Verweildauer und leicht gestiegene Patientenzahl sehe er einen „Produktivitätsfortschritt“, sagt Frank Ulrich Montgomery, Chef des Klinikärzteverbands Marburger Bund. Die Kostensteigerungen hingegen seien „moderat“. Schließlich hätten Klinikärzte seit 2001 auch „den ganzen Administrationswahnsinn“ für das geplante Fallpauschalensystem am Hals. In Geld umgerechnet verschlinge diese Arbeit „gewaltige Summen“. Die Steigerungen lägen weit unter denen anderer Gesundheitssektoren, sagt auch Ute Bakus von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Dieser Trend habe sich 2002 nicht groß geändert. Zwar ergäben die ersten drei Quartale ein Plus von 3,4 Prozent, aber das sinke wieder zum Jahresschluss.

Mit Sparen indessen ist wohl selbst 2003 nicht viel. Anders als die Ministerin erwartet der Schätzerkreis der Krankenkassen keinerlei Einsparungen in den Kliniken – weil sich jedes Haus, das bereits über Fallpauschalen abrechnet, der Nullrunde entziehen könne. „Wer nicht investiert, kann auch nicht rationalisieren“, bringt Montgomery das Problem auf den Punkt. Sparen ließe sich etwa, wenn man die Verwaltungsarbeit nicht gut bezahlten Ärzten, sondern Verwaltungsfachkräften übertrage. Doch die müssten – undenkbar in Nullrunden-Zeiten – neu eingestellt werden.

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