Texte von Raif Badawi : Homegrown

Der saudische Blogger ist noch immer in Haft. Jetzt sind einige seiner Texte erschienen. Eine Kurzrezension

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Unterstützer von Raif Badawi
Unterstützer von Raif BadawiFoto: dpa

2012 wurde Raif Badawi verhaftet und schließlich 2014 wegen „Beleidigung des Islam“ zu zehn Jahren Haft, 1000 Peitschenhieben und einer Geldstrafe von etwa 200 000 Euro verurteilt. Nach den ersten 50 Hieben war Badawi so verwundet, dass die weiteren Auspeitschungen aufgeschoben wurden. In einer kleiner Sammlung von Badawis Blogs und Kommentaren ist nun nachzulesen, was Saudi-Arabien unter „Beleidigung des Islam versteht: Badawi nennt darin die Meinungsfreiheit „die Luft, die jeder Denker zum Atmen braucht“; er spricht sich für das Prinzip „leben und leben lassen“ aus; er sieht in den Islamisten (und in westlichen Rechtsextremisten und Reaktionären) Gegner des Liberalismus und kritisiert die „frömmelnden Aktivisten in unserer Region“ dafür, dass sie die Messer wetzen und vor einem Vernichtungskrieg warnen gegen alles, „was irgendwie mit Kultur und Aufklärung zu tun hat“. Er würde sogar gegen die Hamas kämpfen, schreibt er, wenn die Palästina „befreit“ hätte. „Was wir hier, in den arabischen bzw. islamischen Gesellschaften am dringendsten brauchen, ist die Würdigung der Individuen, die in diesen Gesellschaften leben. Würdigung ihrer Freiheiten und Respekt vor ihren Gedanken – sprich: die Würdigung all dessen, was eine Gottesstaat als oberste Priorität bekämpft.“

Raif Badawi:1000 Peitschenhiebe. Weil ich sage, was ich denke. Ullstein Verlag, Berlin 2015. 62 Seiten, 4,90 Euro.
Raif Badawi:1000 Peitschenhiebe. Weil ich sage, was ich denke. Ullstein Verlag, Berlin 2015. 62 Seiten, 4,90 Euro.Foto: Ullstein

In seiner Kritik am Zustand der islamischen Welt klingt Badawi wie jene westlichen Politiker und Menschenrechtler, die sich seit seiner Verhaftung für ihn einsetzen. Er ist aber kein Westler, seine Texte sind vielmehr „homegrown“. Raif Badawis Notizen machen deutlich, dass man sogar in einem Land wie Saudi-Arabien zur Vernunft gelangen kann statt zum Fanatismus. Und Badawi ist, wie er schreibt, nicht allein: Auf einer klebrigen Toilettenwand im Gefängnis findet er eines Tages den Spruch: „Der Säkularismus ist die Lösung!“

Raif Badawi:1000 Peitschenhiebe. Weil ich sage, was ich denke. Ullstein Verlag, Berlin 2015. 62 Seiten, 4,90 Euro.

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