Thailand : Anführer der Rothemden stirbt nach Kopfschuss

Regierung in Thailand lässt erneut Ultimatum an Aufständische verstreichen. Am Montag ist in Bangkok der militante Führer der oppositionellen Rothemden, Khattiya Sawasdipol, seinen Schussverletzungen erlegen.

Daniel Kestenholz
Bangkok ist in Aufruhr.
Bangkok ist in Aufruhr.Foto: dpa

BangkokDamit lautet die Bilanz der Proteste seit deren Beginn Mitte März: Mindestens 65 Tote, fast 1700 Verletzte, Millionenschäden für Wirtschaft, Industrie und Tourismus. Mehrere hundert rote Aufrührer trotzten am Montag weiter der Armee und sorgten im Herzen Bangkoks den fünften Tag in Folge für Terror und Gewalt. In der Nacht wurde das Traditionshotel „Dusit Thani“ von roten Paramilitärs mit Panzerabwehrgeschossen attackiert. Gäste und Personal evakuierten das älteste Luxushotel Bangkoks in Panik.

Eigentlich wäre am Montag um 15 Uhr ein Ultimatum abgelaufen, die besetzte Innenstadt zu räumen. Ein Kleinflugzeug warf Flugblätter mit Warnungen an die verbliebenen mehreren hundert Männer, Frauen und Kinder ab, das Gebiet sofort zu verlassen. Truppen könnten nicht zwischen Terroristen und Unschuldigen unterscheiden. Wer bleibe, riskiere zwei Jahre Haft. Doch wieder machte die Regierung einen Rückzieher, wie bereits am Vortag, als eine schon kommunizierte Ausgangssperre in letzter Minute gestrichen wurde: Nach Angaben von Regierungssprecher Panitan Wattanyagorn beginne eine Räumungsaktion nicht sofort. Neben den Roten säßen in Gebiet weiter Anwohner fest. Der Schutz von Unschuldigen habe Priorität.

Doch die Zeit läuft davon, denn die Unruhen breiten sich aus. Am Montag kam es einen Kilometer vom Belagerungsring entfernt beim Hospital Phayathai 1 zu Explosionen und einem Feuergefecht. Auf der Rama-IV-Straße weiter im Süden, sonst eine überlastete Durchgangsachse, blockierte ein entführter Tanklaster einen Vorstoß von Truppen. Rote jagten ihn in die Luft, gewaltige Feuerflammen stiegen über Zentralbangkok auf.

Nattawut Saikua, Sprecher der Roten, hat nach Quellen der „New York Times“ angeboten, im Austausch für Friedensverhandlungen seine „militanten“ Kämpfer von der Straße zu nehmen. Die Regierung beharrt jedoch auf einem bedingungslosen Abzug, die Führer der Roten müssten sich ergeben. Doch diese denken gar nicht daran: Auf der Bühne der Roten wurde getanzt und Karaoke gesungen, während Truppen in Hörweite ihre Stellungen mit Sandsäcken verstärkten. Allerdings verließen viele Rote die Innenstadtzone. Doch die letzten denken nicht ans Aufgeben. „Ich bleibe hier und kämpfe für Demokratie, und wenn ich sterbe“, sagte eine jüngere Frau. Rund 300 Meter westlich davon, in den verschlungenen Tempelanlagen von Pathum Wanaram, saßen weiter über 500 Alte, Frauen und Kinder fest. Die meisten waren von den Roten vor Wochen aus nördlichen Provinzen zum Protestgelände transportiert worden. Geld haben sie keines und die Roten haben ihre Ausweise eingezogen. Die Regierung hätte Busse bereitstehen. Doch die Leute stehen unter dem moralischen Druck der Aktivisten.

Unterdessen ist am Montag der durch einen Kopfschuss verletzte militante Führer der Roten, der abtrünnige Majorgeneral Khattiya Sawasdipol, gestorben. In Bangkok wird gemunkelt, dass ihn die Armee aus Rache für den Tod eines hohen Offiziers und mehrerer Soldaten beim Blutbad am 10. April getötet habe. Sawadipol soll sich mit der Tat seiner Leute gebrüstet haben. Doch auch die Roten sind nicht unfroh über seinen Abgang. Sawasdipol war der „Vertrauensgeneral“ von Thaksin Shinawatra, dem Defacto- Führer der Roten, er hatte ihn mehrfach im Exil besucht. Mit dem Tod Sawasdipols wird es leichter, den Aufstand als Klassenkampf zu deklarieren.

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