Thailand : Asean-Gipfel versinkt im Chaos

Hunderte regierungskritische Demonstranten haben in Thailand den Gipfel der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) gestürmt. Die Regierung verhängte vorübergehend den Ausnahmezustand.

Pattaya
Massive Proteste während des Asean-Gipfels. -Foto: dpa

PattayaDemonstranten haben Thailands Regierung am Samstag zum Abbruch eines Gipfeltreffens mit 15 Staats- und Regierungschefs gezwungen. Während auf den Straßen des Badeortes Pattaya Steine flogen und Chaos ausbrach, mussten einige der mindestens acht bereits eingetroffenen Regierungschefs per Helikopter in Sicherheit gebracht werden, darunter Chinas Regierungschef Wen Jiabao. Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva verhängte vorübergend den Ausnahmezustand, hob diesen aber wieder auf, nachdem die Staats- und Regierungschefs den Konferenzort verlassen hatten. "Sie haben Verständnis gezeigt, sie wissen, dass wir ein Problem in Thailand haben", sagte er zu dem Schritt. Soldaten warfen der Polizei hinter vorgehaltener Hand mangelnde Loyalität gegenüber der Regierung vor, weil sie die Proteste nicht stoppte.

Die Demonstranten in roten T-Shirts waren schon seit Freitag in Pattaya, als der asiatisch-pazifische Asean-Gipfel mit Vorgesprächen auf Delegationsebene begonnen hatte. Sie blockierten dort die Hotels der Delegationen. Über Nacht bildete sich nach Angaben von Augenzeugen eine Art Gegenwehr in blauen T-Shirts, die den Gipfel schützen wollte. Sie soll die Gewalt mit Steinwürfen und Brandsätzen angeheizt haben.

Demonstranten wollten Regierungschef blamieren

Die Demonstranten stürmten am Samstagmittag das Gelände des Royal Cliff Resorts, wo das Treffen stattfinden sollte. Sie zogen anschließend jubelnd durch das Pressezentrum. In der Lobby des Hotels gingen Scheiben zu Bruch. Der Zorn der Rothemden war nicht auf die hohen Staatsgäste gerichtet, die sich mit den Folgen der Wirtschaftskrise befassen wollten. Sie wollten vielmehr Abhisit Vejjajiva blamieren und zum Rücktritt zwingen. "Wenn er Wahlen abhält und gewinnt, akzeptieren wir ihn, aber jetzt ist er illegal im Amt", sagte Arisman Pongruangrong, einer der Demonstranten.

Die Aufständischen sind Anhänger des 2006 gestürzten und flüchtigen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Dessen Parteigänger waren zwar über Wahlen wieder an die Macht gekommen. Doch war die Thaksin-freundliche Regierung nach monatelangen Protesten einer außerparlamentarischen Opposition im Dezember 2008 über eine Verurteilung wegen Wahlbetrugs gestürzt. Die Rothemden halten das Urteil für rein politisch motiviert.

Nächster Anlauf für den Gipfel in einigen Monaten

In Pattaya hatte am Freitag der Gipfel der Südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean mit Regionalpartnern begonnen. Die Staats- und Regierungschefs wollten am Samstag erstmals offiziell mit Kollegen aus China, Japan und Südkorea zusammenkommen. Die Regierungschefs der drei Länder wollten untereinander auch über die Folgen des Raketenstarts in Nordkorea sprechen. Die Zusammenkunft musste abgesagt, die Gespräche mussten über Telefon geführt werden.

Für Sonntag waren Gespräche der Asean-Staaten mit Neuseeland, Australien und Indien geplant. Das Gipfeltreffen hatte schon einmal wegen politischer Unruhen in Thailand verschoben werden müssen. In einigen Monaten soll es nun einen dritten Anlauf geben. (smz/dpa/AFP)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben