Thailand : Ex-Premier aus Exil zurück

M. Kleine-Brockhoff

Jakarta - Nachdem er vor 17 Monaten aus dem Amt geputscht worden war, ist Thailands Ex-Premier Thaksin Shinawatra am Donnerstag aus dem Exil in seine Heimat zurückgekehrt. Thaksin, der in England den Fußballverein Manchester City kaufte wurde in Bangkok von tausenden Menschen begrüßt. Der wegen Korruption angeklagte Milliardär wurde zum Gericht gefahren und später gegen Kaution freigelassen. „Er darf das Land nicht verlassen“, erklärten die Richter. Thaksin soll durch Machtmissbrauch Land mit einem Verkehrswert von 49 Millionen Euro für 17 Millionen ersteigert haben.

„Die Anklage wurde fabriziert um den Coup zu rechtfertigen“, sagte Thaksin. Der 58-Jährige war 2006 nach fünf Jahren im Amt während einer Auslandsreise von Generälen gestürzt worden. König Bhumibol Adulyadej unterstützte den Coup. Krone und Militär sind die mächtigsten Institutionen Thailands, beiden missfiel Thaksins Popularität. Er ist bei der armen Landbevölkerung beliebt, die Wahlen entscheiden kann. Die städtische Mittelschicht sieht in ihm einen korrupten, machtbesessenen Populisten. Der Streit um ihn spaltet bis heute die Gesellschaft.

Die Putschisten hatten versucht, Thaksins riesige Polit-Maschine zu zerschlagen. Seine Partei wurde verboten, er und 110 verbündete Politiker bekamen Berufsverbot. Doch die Partei benannte sich um und gewann vor zwei Monaten eine Neuwahl. In der neuen Regierung sitzen Weggefährten Thaksins: Sein Anwalt wurde Außenminister, sein Sprecher Finanzminister. Premier ist Samak Sundaravej. Der 72-Jährige war im Sommer 2007 von Thaksin gebeten worden, sich „um die Partei zu kümmern“.

Jetzt ist in Thailand fast alles wie vor dem Coup. Thaksin beteuert zwar, er sei nun „Normalbürger“. Doch wegen seines Einflusses sehen ihn Kritiker längst als den wahren Premier und glauben, sein Korruptionsverfahren werde im Sande verlaufen. Zugleich rechnet niemand damit, dass die Putschisten für den Coup belangt werden. Thaksin selbst sagte im Januar: „Ich möchte die Generäle zu einer Runde Golf einladen. Danach wird alles vergessen sein“. M. Kleine-Brockhoff

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