Thailand : Gestürzter Ministerpräsident kündigt Rückkehr an

Zwei Tage nach dem Wahlsieg seiner Anhänger will der im September 2006 vom Militär gestürzte thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra in seine Heimat zurückkehren. Alte Feinde kündigen ihren Widerstand an.

Thaksin
Will zurück. Der ehemalige thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra vor Journalisten in Hongkong. -Foto: AFP

HongkongVor Journalisten sagte Thaksin in Hongkong, er wolle irgendwann zwischen Februar und April nach Thailand zurückkehren. Der schwerreiche Geschäftsmann betonte, er werde zwar wieder in die Politik gehen, aber wie ein "normaler Bürger" leben.

Bei den Parlamentswahlen am Sonntag hatte die People's Power Party (Volksmacht-Partei PPP) von Thaksins Anhängern aus dem Stand 233 der 480 Mandate errungen, wie jetzt offiziell bestätigt wurde. Wahlforscher nannten das Ergebnis einen Schlag ins Gesicht der Militärherrschaft.

Thaksin will Berater werden

Er könne sich vorstellen, für die Volksmacht-Partei PPP als Berater zu arbeiten, sagte Thaksin. Er werde beweisen, dass die vom Militär vorgebrachten Korruptionsvorwürfe gegen ihn haltlos seien. Die PPP war nach dem Militärputsch gegen Thaksin gebildet worden.

Der PPP-Vorsitzende Samak Sundaravej (72) machte am Sonntagabend seinen Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten geltend. Er wolle mit anderen Parteien über eine Koalition verhandeln, sagte Samak. Am Montag erklärte PPP-Generalsekretär Surapong Suebwonglee bereits, die Partei habe genügend Unterstützung von kleineren Parteien, um die Regierung zu bilden, nannte aber die Partner nicht namentlich.

Das Militär will die PPP nicht an der Regierung sehen

Wahlbeobachter äußersten sich jedoch skeptisch, ob es der PPP gelingen wird, eine Koalition zu bilden. In jedem Fall sei mit einer schwachen und vermutlich kurzlebigen Koalitionsregierung zu rechnen. Das Militär hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass es die PPP nicht an der Regierung sehen will. "Wir haben mit der PPP einen klaren Gewinner, aber der Ausgang der Wahl ist dennoch offen", sagte Wahlforscher Thitinan Pongsudhirak von der Chulalongkorn-Universität in Bangkok.

Ex-Regierungschef Thaksin war aus seinem Exil in London nach Hongkong gereist, um von dort aus die Wahl zu verfolgen. Der Milliardär hat sich sein Exil unter anderem mit dem Kauf des Fußballclubs Manchester City versüßt. Er wolle am 14. Februar nach Thailand zurückkehren, heißt es nun.

Demokraten wollen nicht mit PPP regieren

Die Wahlbeteiligung hatte bei gut 70 Prozent gelegen, wie die Wahlkommission nach Abschluss der Auszählung mitteilte. Das Ergebnis kann sich jedoch noch ändern, da wegen des Vorwurfs des Wahlbetrugs möglicherweise Nachwahlen nötig sind.

Zweitstärkste Kraft wurden die Demokraten, die unter Thaksin in der Opposition waren. Sie kamen auf 165 Sitze im Parlament. Die Demokraten hatten bereits vor der Wahl erklärt, sie seien bereit, mit fast allen Parteien eine Koalition einzugehen, um an die Regierung zu kommen. Ein Bündnis mit der PPP lehnen sie jedoch ab. Insgesamt traten mehr als 40 Parteien an. (mist/dpa)

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