Thailand : Panzer und Proteste in Bangkok

Die massiven Demonstrationen in Bangkok dauern an, trotz massiver Militärpräsenz auf den Straßen. Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hat in einer Fernsehansprache die Anhänger Thaksins zum Stopp der Proteste aufgerufen und drohte ihnen mit scharfen Gegenmaßnahmen. Bislang greifen die Soldaten nicht ein.

Bangkok
Proteste in Bangkok. Soldaten und Demonstranten stehen sich gegenüber. -Foto: dpa

Nach der Verhängung des Notstands ist es in der thailändischen Hauptstadt Bangkok erneut zu massiven Protesten von Regierungsgegnern gekommen. Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva kündigte am Sonntag ein hartes Vorgehen gegen die Rädelsführer an, die am Vortag zum Abbruch eines Gipfeltreffens südostasiatischer Staaten führten.

Die regierungsfeindlichen Anhänger des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra betrachteten die Verhängung des Notstands als Kriegserklärung. Mindestens 50 von ihnen stürmten das Innenministerium, in dem sich der Regierungschef aufhielt. Soldaten versuchten, die Protestierenden mit Warnschüssen zu vertreiben. Abhisit gelang die Flucht vor den Demonstranten, die mit Stöcken und Golfschlägern auf seinen Wagen einschlugen. Anzeige

Abhisit fordert das Ende der Proteste

Stunden nach dem Angriff rief Abhisit in einer Fernsehansprache die Anhänger Thaksins zum Stopp der Proteste auf und drohte ihnen mit scharfen Gegenmaßnahmen. "Es ist für die Regierung notwendig, die im Rahmen der Notstandserklärung erlaubten Maßnahmen zu ergreifen, um den Frieden im Land wiederherzustellen", warnte er.

Die in rote Hemden gekleideten Regierungsgegner ließen sich dadurch aber nicht einschüchtern und versammelten sich erneut vor Abhisits Regierungssitz, wo sie dessen Rücktritt und Neuwahlen forderten. Bis zum Nachmittag wuchs die Menge auf mehr als 40.000 Menschen an. Mehrere Panzerfahrzeuge rückten ins Stadtzentrum vor, die Berichten zufolge aber bislang nicht eingriffen. Einige Demonstranten versperrten ihnen den Weg oder kletterten auf die Fahrzeuge hinauf und tanzten auf ihren Dächern.

Ein Armeesprecher versuchte die Bevölkerung zu beruhigen und versicherte, die Armee-Fahrzeuge seien kein Anzeichen für einen bevorstehenden Staatsstreich, sondern Teil der von Abhisit angeordneten Sicherheitsmaßnahmen.

Thaksin ruft zu "Volksrevolution" auf

Sein Gegenspieler Thaksin hatte seine Anhänger in der Nacht erneut auf die "Volksrevolution" eingeschworen. Die "Goldene Zeit" des Aufstands gegen die Regierung angebrochen, sagte der im Exil lebende Politiker. Falls es einen Putsch gebe, sei er bereit nach Thailand zurückzukehren und den Aufstand anzuführen, sagte Thaksin weiter. Seit 1932 gab es in dem Land 18 Staatsstreiche. Beobachtern zufolge ist ein weiterer nicht ausgeschlossen, falls sich die Lage weiter zuspitzt.

Der Abbruch des Asean-Gipfels am Samstag und die zunehmenden Spannungen in der Hauptstadt haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung stark beschädigt. Abhisit selbst war Ende 2008 nach Massenprotesten seiner Anhänger gegen die Regierung der neu formierten Partei Thaksins an die Macht gekommen. Abhisits Anhänger hatten unter anderem den Flughafen in Bangkok besetzt, um den Rücktritt des damaligen Regierungschefs Somchai Wongsawat, Thaksins Schwager, zu erzwingen. Hunderttausende Touristen saßen deshalb in Thailand fest.

Mehrere Länder wie Singapur, Australien und Kanada warnten indes vor Reisen in das südostasiatische Land. Die britische Regierung empfahl ihren Bürgern, Reisepläne nach Thailand dringend zu überdenken. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte auf seiner Internet-Seite mit, für Touristen bestehe keine besondere Gefahr, solange sie Menschenansammlungen und Demonstrationen fernblieben. (zo/Reuters)

0 Kommentare

Neuester Kommentar