Thailand : Premier trifft Opposition

Seit Wochen will die Opposition in Thailand mithilfe von breiten Protesten Neuwahlen zu erzwingen. Der Regierungschef zeigte sich bislang unbeeindruckt. Nun kam es zum offenen verbalen Schlagabtausch - immerhin.

Daniel Kestenholz

Bangkok - Zwei Wochen nach Beginn der Antiregierungsproteste in Thailand ist der Regierungschef am Sonntag erstmals mit einer Delegation der Opposition zusammengetroffen: In einem vom Fernsehen live übertragenen „Friedensgespräch“ traf Premier Abhisit Vejjajiva drei Führungsfiguren der Opposition, Stellvertreter des 2006 weggeputschten Thaksin Shinawatra. Dieser hatte zu den Massenprotesten aufgerufen, um die Regierung zur Ausrufung von Neuwahlen zu zwingen.

Das Gespräch mit den als „Rothemden“ bezeichneten Oppositionellen war ein offener Schlagabtausch, der zunächst nicht zu einer Lösung führte. Das vor laufenden Kameras geführte Gespräch war ein Novum in der sonst gehässigen thailändischen Politik. Abhisit gab sich unbeugsam, auch wenn diese erste Gesprächsrunde auf Druck der Straße zustande kam. Während anfänglich 100 000 Thaksin-Anhänger auf die Straße gegangen waren, sind es inzwischen deutlich weniger. Die Tourismusindustrie beklagt inzwischen Millionenausfälle, und die Bangkoker Bevölkerung sieht die Demonstrationen und Straßenblockaden inzwischen mit wachsendem Zorn.

Nach außen wirkt der Protest der „Roten“ friedlich, doch von den Bühnen werden Hasstiraden gegen die Elite und die Aristokratie geschmettert. Inzwischen sind auch Granatenanschläge gegen Regierungseinrichtungen an der Tagesordnung. Am Wochenende wurden bei Anschlägen gegen Fernsehsender elf Menschen verletzt.

Die zumeist aus dem volkreichen ärmlichen Norden und Nordosten Thailands stammenden Anhänger der „Rothemden“, von denen viele für die Proteste bezahlt werden, wollen das Feld nur als Sieger räumen. Beobachtern zufolge geht es bei dem Konflikt eigentlich um die Fehde zwischen zwei Eliten – der alten und einer neuen, die die arme Bevölkerung instrumentalisiert.

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