Thailand : Rothemden in der Defensive

Trotz der Massenproteste der Opposition lehnt Thailands Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva einen Rücktritt und vorgezogene Neuwahlen ab.

Daniel Kestenholz[Bangkok]

Rund 50 000 Regierungsgegnern in Bangkok ist es am Montag nicht gelungen, ihre Drohung einer Blockade der thailändischen Hauptstadt in die Tat umzusetzen. Was als ein Protestmarsch von einer Million Menschen angekündigt worden war, zog zwar am vierten Tag der Proteste als längere Kolonne zu einem Armeestützpunkt am nördlichen Stadtrand von Bangkok. Dort hatte Thailands Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva vorübergehend Zuflucht gefunden. Doch bevor er sich per Hubschrauber ausfliegen ließ, wies der Premier ein Ultimatum der oppositionellen „Rothemden“ zurück: Abhisit weigerte sich, wie gefordert das Parlament bis Montagmittag für Neuwahlen aufzulösen.

Die „Rothemden“ unterstützen den 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Ihr Anführer Nattawut Saikua kündigte nun eine ungewöhnliche Art des Protestes an: Die Demonstranten würden ab diesem Dienstag bis zu 3000 Liter Blut spenden, um den Regierungssitz, die Zentrale der regierenden Demokraten und die Residenz des Premierministers mit Blut zu beschmieren. „Nur über unser Blut werden sie wieder zur Arbeit gehen können“, sagte Nattawut. Nach der Ansicht von Beobachtern handelt es sich bei der bizarren Blutkampagne um eine Strategie, die den Demonstranten helfen soll, das Gesicht zu wahren. Thailands Rotes Kreuz jedoch gab sich entsetzt und verweigerte jede Hilfe für die „Blutspende-Aktion“.

Auch wenn die „Rothemden“ hoffen, dass die Aktion der thailändischen Opposition weltweit Schlagzeilen einbringt, so dürfte sich die Regierung dadurch kaum zum Einlenken bewegen lassen. Auch die Geduld der Bevölkerung in Bangkok könnte bald an ihre Grenzen stoßen. Die „Rothemden“ belagern eine Schlüsselverkehrszone, abertausende Pendler müssen mehrstündige Umwege hinnehmen.

Im Zentrum von Bangkok schlugen in der Nähe einer weiteren Militärbasis vier Granaten ein, wobei zwei Soldaten verletzt wurden. Ansonsten blieb der Protest weiter friedlich. Die „Rothemden“ beschuldigten die Regierung, den Anschlag auf den Militärstützpunkt selber ausgeführt zu haben, um den Notstand ausrufen zu können. Die Polizei verhaftete einen von Überwachungskameras gefilmten Verdächtigen. Gleichzeitig wandte sich Regierungschef Abhisit über das staatliche Fernsehen an die Bevölkerung. Zunächst müsse man die Probleme der Nation angehen, und diese seien nicht mit dem Ablauf eines Ultimatums zu lösen. Der Regierungschef versprach, sich der Probleme der Demonstranten anzunehmen. Die „Rothemden“ schienen derweil zu zögern, ob sie tatsächlich Bangkok wie angedroht stilllegen sollen – ihnen fehlen schlicht die Unterstützer dazu. Nach der Belagerung der Kaserne kehrten viele „Rothemden“ erst gar nicht zum Protestgelände zurück, sondern fuhren nach Hause. Organisatoren hatten am Morgen noch gefleht: „Packt eure Sachen nicht, wir müssen wieder zurück.“

Die „Rothemden“ haben nicht die Unterstützung der Bevölkerung in der Hauptstadt, die mit der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Lage nicht unzufrieden und der gegenwärtigen Regierung eher wohlgesonnen ist. Im Übrigen verfügen die „Rothemden“ nicht über die knallharten Strategen der gegnerischen „Gelbhemden“, die 2008 den Regierungssitz und Bangkoks Flughäfen belagert hatten und damit den Fall von Thaksins Stellvertreterregierung erzwangen.

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