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Thailand : Wütende Aufständische stürzen Bangkok ins Chaos

Die Anführer der Regierungsgegner haben kapituliert, doch das beruhigt die Lage in Bangkok nicht. Oppositionelle setzten die Börse, Einkaufszentren und Banken sowie den Sitz eines Fernsehsenders in Brand. Die Behörden haben eine Ausgangssperre für die Nacht verhängt.

19. Mai 2010: In der thailändischen Hauptstadt Bangkok stehen mehrere große Gebäude in Flammen. Nach einem massiven Militäreinsatz und der Festnahme von Protestanführern beginnen wütende Rothemden, in mehreren Stadtteilen zu randalieren. Foto: AFPWeitere Bilder anzeigen
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19.05.2010 09:4619. Mai 2010: In der thailändischen Hauptstadt Bangkok stehen mehrere große Gebäude in Flammen. Nach einem massiven Militäreinsatz...

Die Anführer der Oppositionellen in Thailand haben infolge eines massiven Militäreinsatzes ihren monatelangen Widerstand aufgegeben, woraufhin wütende Aufständische die Stadt jedoch ins Chaos stürzten. Die Chefs der Rothemden riefen ihre Anhänger am Mittwoch auf, ihnen zu folgen, und stellten sich der Polizei. Kurz darauf brannten in Bangkok mehrere Gebäude, darunter die Börse, die für den Rest der Woche geschlossen wurde.

"Ich weiß, dass es für einige von euch inakzeptabel ist", sagte einer der Anführer der Rothemden, Nattawut Saikuar, in einer bewegenden Ansprache. "Aber wir stoppen jetzt unseren Widerstand", sagte er und rief die Oppositionellen zum vollständigen Rückzug aus dem seit Wochen besetzten Geschäftsviertel auf. "Wir werden unsere Freiheit gegen eure Sicherheit tauschen." Ein weiterer Anführer, Jatuporn Prompan, sagte unter Tränen: "Wir möchten keine Toten mehr. " Einige Anführer flohen, mindestens vier stellten sich später der Polizei.

Mindestens sechs Tote bei Schusswechseln

Die Chefs der Rothemden reagierten mit dem Ende ihres Widerstands auf einen gewaltsamen Militäreinsatz am Morgen. Hunderte Soldaten und Sicherheitskräfte stürmten mit Panzern das besetzte Geschäftsviertel. Bei heftigen Schusswechseln starben laut Polizei mindestens sechs Menschen, darunter auch ein italienischer Journalist. Knapp 60 Menschen wurden verletzt, auch zwei Reporter aus Kanada und den Niederlanden. In dem Protestcamp hatten sich wochenlang tausende Oppositionelle hinter Barrikaden verschanzt, darunter auch Frauen und Kinder. Viele brachen am Mittwoch in Tränen aus und setzten sich aus Angst vor Tränengasangriffen Masken auf.

Seit dem Beginn der Proteste Mitte März kamen insgesamt 74 Menschen auf Thailands Straßen ums Leben. Mehr als 1700 Menschen wurden verletzt. Die Rothemden sind vornehmlich Anhänger des Ex-Regierungschefs Thaksin Shinawatra und forderten mit ihren zunächst friedlichen Protesten den Rücktritt der amtierenden Regierung von Abhisit Vejjajiva. Verhandlungen zwischen beiden Seiten waren immer wieder gescheitert.

Polizei darf auf Plünderer und Brandstifter schießen

Nach Angaben der Feuerwehr setzten wütende Oppositionelle in Bangkok mehrere Häuser in Brand, darunter die Börse, Einkaufszentren und Banken sowie den Sitz eines Fernsehsenders, in dem rund 100 Menschen eingeschlossen wurden. Über der Hauptstadt schwebten riesige Rauchwolken, zusätzlich angefacht durch brennende Autoreifen. Die Behörden verhängten eine nächtliche Ausgangssperre über Bangkok - die erste seit 15 Jahren - und erlaubten Polizisten, auf Plünderer und Brandstifter zu schießen. Der bereits für Bangkok und 20 Provinzen geltende Ausnahmezustand wurde laut Verteidigungsministerium auf zwei weitere Provinzen im Nordosten des Landes ausgedehnt.

Die Regierung rief ihrerseits die aufgebrachten Demonstranten zur Ruhe auf. "Heute Nacht wird eine weitere Nacht des Leidens sein", sagte Regierungssprecher Panitan Wattanayagorn. "Die Regierung ruft jeden, der Angriffe verübt, auf, diese zu stoppen." Durch die Militäroffensive sei es gelungen, rund um die strategische Ratchaprasong-Kreuzung und im Bezirk Lumpini die Sicherheit wiederherzustellen, sagte Panitan. Andere Orte der Hauptstadt seien hingegen noch nicht unter Kontrolle. Die Regierung schrieb zudem sämtlichen TV-Sendern eine Sonderberichterstattung vor, damit sie sich jederzeit an die Bevölkerung wenden könne. (AFP)

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