Politik : Thailands Junta tritt ab

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - Auf den ersten Blick sieht es gut aus: ein gutes Jahr nach ihrem Staatsstreich lösen Thailands Militärs ihr Versprechen ein, die Macht wieder abzugeben. Am Sonntag sollen knapp 46 Millionen Wahlberechtigte ein neues Parlament bestimmen. „Ich will demokratische Politiker sehen, die für das Wohl der Menschen arbeiten“, tönt General Sonthi Boonyaratglin, der geputscht hatte. Auf den zweiten Blick sieht es düster aus: Die Wahl folgt einem Berufsverbot für 111 Spitzenpolitiker und der Auflösung der größten Volkspartei durch Militärjustiz. Eine wackelige Koalition ist zu erwarten, politische Stabilität nicht in Sicht.

In Thailand, wo nun schon zum dritten Mal in 30 Monaten gewählt wird, sind traditionell nur Königshaus und Militär stark. Gewählte Regierungen bleiben abhängig vom Wohlwollen des Regenten Bhumibol Adulyadej und der ihm ergebenen Generäle. Nie vergingen mehr als fünf Jahre ohne Putschversuch. Zuletzt, im September 2006, erwischte es den demokratisch gewählten Premier Thaksin Shinawatra, der aus Sicht von Monarchie und Militär bedrohlich populär geworden war.

Thaksin, beim Volk nach wie vor beliebt, und seine 110 wichtigsten Mitstreiter sind es, die nicht mehr politisch aktiv sein dürfen. Allerdings ist es der Junta trotz aller Härte nicht gelungen, das riesige Thaksin-Lager zur Strecke zu bringen. Am alten TRT-Hauptquartier in Bangkok hängt jetzt einfach ein Schild mit drei neuen Buchstaben: PPP. Sie stehen für die „People’s Power Party“. Außer der neuen PPP haben die Demokraten, Thailands älteste Partei, eine Regierungschance. Da weder Demokraten noch PPP mit der absoluten Mehrheit rechnen können, wird regieren, wer Koalitionspartner findet. Dieses Rennen ist völlig offen. Moritz Kleine-Brockhoff

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