Politik : Thailands Militär sagt Neutralität zu

Gespannte Ruhe nach Auseinandersetzungen

Jakarta - Einen Tag nach Ausschreitungen mit zwei Toten und 430 Verletzten hat Thailands Militär versichert, nicht in den anhaltenden Machtkampf im Land einzugreifen. „Ich kann bestätigen, dass die Armee strikt neutral bleibt“, sagte Armeechef Anupong Paojinda. Der General ließ am Dienstagabend mit Truppen strategische Orte der Hauptstadt sichern – nach eigenen Angaben tat er das auf Wunsch der Polizei.

Thailands Militär putschte seit 1934 bereits 18 Mal, zuletzt vor zwei Jahren. Damals hatte der amtierende Armeechef General Sonthi Boonyaratglin während Massendemonstrationen Neutralität versichert und später doch die Macht übernommen. Gestern kritisierte Armeesprecher Oberst Sansern Kaewkumnerd die Polizei. Beamte hatten mit Tränengas Demonstranten vertrieben, welche das Parlament abriegelten. Dabei und in der Folge war es in Bangkok zu den blutigsten Auseinandersetzungen seit 15 Jahren gekommen. „Die Armee ist wegen der Vorfälle besorgt. Unbewaffnete Demonstranten verdienen es nicht, verletzt zu werden“, sagte Oberst Sansern. „Am Rande der Anarchie“ und „Blutbad in Bangkok“ titelten zwei thailändische Zeitungen. „Auch in den nächsten Wochen muss in Bangkok weiter mit großen Demonstrationen gerechnet werden“, unterrichtete das Auswärtige Amt Berlin Thailandreisende, „das alltägliche Leben dürfte kaum beeinträchtigt werden, es wird aber dringend empfohlen, Demonstrationen und sonstige größere Menschenansammlungen zu meiden, auch um sich nicht dem Risiko eventueller Sprengstoffanschläge auszusetzen.“

In Thailand versucht seit drei Jahren eine Protestbewegung, das politische Lager von Ex-Premier Thaksin Shinawatra aus der Regierung zu drängen. Seit 2005 wurde drei Mal gewählt, Thaksin oder seine Mitstreiter gewannen jeweils. Der wegen Korruption angeklagte Expremier lebt mittlerweile im Exil in London, sein Schwager Somchai Wongsawat regiert. Ein Stellvertreter Somchais war am Dienstag nach den Ausschreitungen zurückgetreten, der Premier blieb im Amt. mkb

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