Politik : The Länderkammer

Hans Monath

HINTER DEN LINDEN

Zweifelsohne hat der thüringische Ministerpräsident jedes Talent zum Fremdenführer. Wer aus dem angelsächsischen Sprachraum kommt und sich brennend für Strukturprobleme des deutschen Föderalismus interessiert, kann sich das von dem CDU-Politiker erklären lassen: „Welcome! My name is Dieter Althaus and as Bundesrat President I would like to invite you to find out more about the Bundesrat on the following pages.“ So werden Shakespeares Erben auf der Bundesrats-Homepage begrüßt. Jene Voltaires erwartet ein ebenso herzliches „Bienvenue!“. Alles Wichtige über „Les Länder“, „article 50 Basic Law“ bzw. „Loi fondamentale“ ist nun auf Englisch und Französisch nachzulesen. Auch Neuseeländer oder frankophone Afrikaner können nun, ohne sich mit Deutsch quälen zu müssen, die Sitzungsprotokolle des Vermittlungsausschusses studieren. Auch der Comic, der auf der Website deutschen Jugendlichen die schlecht beleumundete Institution sympathisch machen soll, handelt nicht von „Fledermaus und Waschbär“, sondern von „Bat und Badger“. Von wegen Kleinstaaterei! Von wegen schlimmstes Blockadeinstrument der Bundespolitik seit dem Streik der Brummi-Fahrer auf dem Brenner! Von wegen Reformstau! Zwei Hochkulturen können nun in Ruhe nachlesen, was die Bundesländer wirklich leisten. Die nächsthöhere Stufe föderaler PR-Arbeit kann nur noch ein Bundesrats-Hiphop-Hit sein: „Länderkammer goes international.“ Auf in die Charts!

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