Politik : Theo gegen das Akw

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die Berliner haben die Currywurst erfunden. Das behauptet zumindest jeder Reiseführer über die Hauptstadt. Wer allerdings schon einmal ins Ruhrgebiet gereist ist, weiß, dass auch der Pott das Urheberrecht auf die Currywurst für sich beansprucht. Ähnlich geht es bei unseren Politikern zu. Da legt das Kanzleramt Reformideen fürs Gesundheitswesen vor und der Horst S. von der CSU behauptet, das sei doch in Wahrheit sein Regierungsprogramm. Das ist politischer Alltag. Das kennen wir schon.

Etwas hat uns hinter den Linden aber dann doch überrascht. So wurde uns zugetragen, dass der jüngst aus dem Bundestag ausgeschiedene CSU-Abgeordnete Theo W. ein heftiger und sehr engagierter Atomkraftgegner ist. Wir hatten immer gedacht, dass die sich nur in den Reihen der Grünen finden. Oder bei der Bürgerinitiative „X-tausendmal quer“. Kurz vor seinem Abschied aus dem Bundestag schlich Theo W. sich zur Regierungsbank und überreichte dem grünen Umweltminister Jürgen T. eine Unterschriftenliste. Im Namen der Bürgerinitiative, die gegen ein Zwischenlager für radioaktive Brennelemente im bayerischen Grundremmingen protestiert.

„Verkehrte Welt“, fand auch der grüne Umweltminister, überrascht über die engagierte Anti-Akw-Lobby auf der Oppositionsbank. Nur leuchtete ihm nicht so ganz ein, warum die Partei vom Theo dann immer noch gegen den rot-grünen Atomausstieg wettert. Aber vielleicht gibt es ja schon neue Geheimpläne in der CSU. So würde es uns inzwischen auch nicht mehr überraschen, wenn sich der bayerische Politiker Edmund S. bei den nächsten Castor-Transporten auf den Gleisen einbetoniert.

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