Theresa May und der Brexit : Auf dem Drahtseil

An diesem Mittwoch hält Regierungschefin Theresa May auf dem Parteitag der britischen Konservativen ihre Abschlussrede. Beim Brexit steht ihr ein Drahtseilakt bevor. Ein Kommentar.

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Die britische Regierungschefin May bereitet sich in Birmingham auf ihre Abschlussrede bei Tory-Parteitag vor.
Die britische Regierungschefin May bereitet sich in Birmingham auf ihre Abschlussrede bei Tory-Parteitag vor.Foto: REUTERS

Langsam wagt sich die britische Regierungschefin Theresa May vor. Die wandlungsfähige Politikerin entpuppt sich als Vorkämpferin einer strikten Trennung von der EU. Getrieben von Hardlinern wie Außenminister Boris Johnson hat May beim Parteitag der Konservativen Farbe bekannt. Die Begrenzung der Zuwanderung von EU-Ausländern scheint ihr wichtiger zu sein als der Zugang britischer Unternehmen zum gemeinsamen europäischen Binnenmarkt. Es ist ein atemberaubender Drahtseilakt, den May beim Tory-Parteitag begonnen hat: Einerseits muss die Premierministerin den Willen einer knappen Mehrheit der Briten umsetzen, die sich von der EU losgesagt hat.

Auf der anderen Seite darf sie nicht zulassen, dass die britische Wirtschaft auf dem Weg zum Brexit in eine Rezession gleitet. Wie groß derartige Befürchtungen sind, zeigt der Absturz des Pfund Sterling, der auf Mays Klarstellung folgte. Am Ende ihres Seiltanzes will May übrigens 2020 bei den turnusgemäßen Unterhauswahlen im Amt bestätigt werden. Nun wusste der ehemalige britische Premierminister Harold Wilson, dass bereits eine Woche ein quälend langer Zeitabschnitt in der Politik sein kann. Welche Überraschungen der Brexit in den kommenden vier Jahren bereithält, lässt sich also erst recht nicht überblicken.

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