Politik : Thierse hört als SPD-Vize auf

Albert Funk

Berlin - Wolfgang Thierse hat seinen Rückzug aus der ersten Reihe der Sozialdemokraten angekündigt. „Ich werde nicht wieder als stellvertretender Parteivorsitzender kandidieren. 16 Jahre sind genug“, sagte Thierse am Freitag dem Tagesspiegel. „Ich habe gelegentlich das Gefühl, dass ich der dienstälteste Parteivize der Welt bin.“ Thierse macht damit den Weg frei für eine größere Neubesetzung der SPD-Führung beim Parteitag Mitte November. Thierse hatte zuvor das Amt als Bundestagspräsident an Norbert Lammert (CDU)abgeben müssen.

Als seinen Nachfolger nannte Thierse den Brandenburger Ministerpräsidenten: „Ich habe schon vor zwei Jahren Matthias Platzeck gefragt, ob er kandidieren möchte. Er hat damals abgelehnt. Jetzt ist das anders, weshalb ich leichteren Herzens den Posten für den Osten aufgeben kann“, sagte Thierse. Spekulationen, er sei gedrängt worden, wies er zurück: „Ich wollte das selbst entscheiden, man musste mich dazu nicht auffordern.“

Thierse betonte, die SPD sei in einer Umbruchphase, „es ist Zeit zur Verjüngung. Und einer Verjüngung habe ich noch nie im Weg gestanden.“ Er sagte, er wolle fortführen, „was ich immer gern gemacht habe: an den Grundlagen der Politik mitarbeiten“. Er wolle in der Programmarbeit der SPD weiter mitmischen. Zum Abgang als Parteivize kann Thierse sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Mit ein wenig Stolz kann ich sagen: Ich habe versucht, sehr engagiert die Sozialdemokraten Ostdeutschlands und Berlins zu vertreten, auch wenn die West-Berliner SPD mich wohl nie wirklich als einen der Ihren akzeptiert hat. Denen bin ich wohl immer fremd geblieben.“

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