THÜRINGEN : Ohne Spitzel blind

„War nur Adolf Hitler eine Führungsperson der NSDAP?“ Diese provokante Frage richtete die Linken-Politikerin Katharina König am Dienstag im Thüringer Untersuchungsausschuss zum Rechtsterror an den früheren Verfassungsschützer Peter Nocken. Dieser hatte verteidigt, dass der Erfurter Verfassungsschutz eine rechtsextreme Größe wie den Chef des „Thüringer Heimatschutzes“ als V-Mann beschäftigte, obwohl Führungsleute tabu sein sollten. Den Hitler-Vergleich wies Nocken als nicht akzeptabel zurück.

Er wehrte sich auch gegen Vorwürfe, das Landesamt habe den V-Mann, Tino Brandt, vor einer Strafverfolgung geschützt. „Weder haben wir eine Warnung ausgesprochen noch haben wir die Hand über ihn gehalten“, sagte der 67-jährige Rechtsanwalt aus Weimar. Er war von 1994 bis 2001 beim Verfassungsschutz tätig, zuletzt als Vizepräsident und damit Stellvertreter des schillernden Helmut Roewer. „Die Zusammenarbeit begann recht erfolgversprechend“, sagte Nocken. Roewer habe als Experte gegolten. 1997 allerdings habe es Veränderungen in dessen Wesen gegeben. Im Gegensatz zu Roewer äußerte Nocken Bedauern für die Opfer der Terrorzelle. „Es ist ganz schrecklich für die Angehörigen, dass wir das Trio nicht entdeckt haben.“ Von einem zeigte er sich aber überzeugt: „Wenn Brandt nicht durch Geheimnisverrat aus dem Landesamt an eine Zeitung verraten worden wäre, hätten wir größere Chancen gehabt, die drei Abgetauchten zu entdecken.“ eke

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