Thüringen : SPD und Linke streiten um Spitzenamt

Der Streit zwischen Linkspartei und SPD in Thüringen darüber, wer im Falle einer rechnerischen Mehrheit von Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün das Ministerpräsidentenamt erhalten soll, spitzt sich weiter zu.

Berlin - Linkspartei-Spitzenkandidat Bodo Ramelow äußerte in der „Frankfurter Rundschau“ die Erwartung, dass die SPD ihren Spitzenkandidaten Christoph Matschie auswechseln werde, um ein rot-rotes Bündnis nach der Landtagswahl in Thüringen zu ermöglichen. Matschie hatte definitiv ausgeschlossen, dass die SPD einen Ministerpräsidenten von der Linkspartei wählen würde, wenn diese bei der Wahl besser abschneiden würde als die SPD.

Matschie konterte die Äußerungen hart. Ramelow verliere den Überblick „und wird mehr und mehr zum politischen Geisterfahrer in Thüringen“, sagte der SPD-Mann in Erfurt. Ramelow verliere an Unterstützung, weil seine Partei „weder ein Thema für den Wahlkampf noch ein Konzept für die Zukunft“ habe. „Ramelow fehlt die persönliche Eignung und Qualität, Ministerpräsident in Thüringen zu werden“, er sein ein politischer Spalter, sagte Matschie. Er warf dem Konkurrenten von der Linkspartei vor, es gehe ihm nicht um Thüringen. Für Ramelow sei der Freistaat nur ein Sprungbrett für sein eigentliches politisches Ziel, als Nachfolger von Oskar Lafontaine Bundesvorsitzender der Partei zu werden.

Der Spitzenkandidat der Linkspartei hatte betont, er gehe davon aus, „dass die SPD klug genug ist zu entscheiden, dass sie ohne Herrn Matschie Reformen will“. Bei der jüngsten Umfrage von Infratest dimap waren Linke, SPD und Grüne zusammen auf 50 Prozent gekommen. CDU und Wunschpartner FDP würden gemeinsam nur 43 Prozent erreichen. Allerdings lehnen auch die Grünen eine rot-rot-grüne Koalition unter einem Linkspartei-Regierungschef ab.

Die CDU greift den Streit unterdessen im Wahlkampf auf. Bei einer Veranstaltung am Dienstagabend in Nordhausen sagte Parteichefin Angela Merkel, die Linken hätten es geschafft, nun auch SPD und Grüne durcheinanderzubringen. Sie redeten nur noch über „Koch und Kellner“. „Ja, haben die noch alle Tassen im Schrank?“, sagte die Kanzlerin. sc

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