Politik : Thyssen will sich gegen feindliche Übernahme durch Krupp wehren

Zehntausende Stahlarbeiter fürchten um Arbeitsplätze Düsseldorf (rtr/AFP).Der Essener Krupp-Konzern will die Düsseldorfer Thyssen AG gegen deren Widerstand übernehmen.Vor aufgebrachten Thyssen-Arbeitern bestätigte Krupp-Chef Gerhard Cromme am Dienstag die Übernahmepläne.Mehr als 1000 Beschäftigte protestierten vor der Krupp-Zentrale gegen das Vorhaben.Cromme wurde mit Eiern und Apfelsinen beworfen.Vorstand und Belegschaft von Thyssen kündigten gemeinsamen Widerstand gegen die Übernahme an.Zehntausende Arbeitsplätze seien gefährdet.Nordrhein-Westfalens Landesregierung lehnte die Übernahme ab, die eine der größten in der deutschen Firmengeschichte wäre.Beide Konzerne machen zusammen 63 Milliarden Mark Umsatz.Es sei sinnvoll, einen großen Konzern zu schmieden, sagte Krupp-Chef Cromme nach Angaben seines Sprechers bei einem turbulenten Treffen mit aufgebrachten Thyssen-Arbeitern vor der Krupp-Zentrale in Essen.Als Cromme als "Arbeitsplatz-Killer" beschimpft wurde, hielt der Krupp-Chef dem entgegen, daß Angaben über einen angeblichen Verlust von 30 000 Arbeitsplätzen "wilde Spekulation" seien.Aus Protest gegen die Übernahmepläne hatte die Frühschicht von Thyssen Stahl am Dienstag die Arbeit niedergelegt und war mit Bussen und Pkw zur Krupp-Zentrale nach Essen gefahren. Thyssen erklärte, die Pläne von Krupp stellten den Konzern vor eine ernste Situation."Mit Partnern aus Wirtschaft und Politik werden wir nach Möglichkeiten suchen, dem Versuch der feindlichen Übernahme wirksam zu begegnen", heißt es in dem Brief, der von Aufsichtsratschef Kriwet, Vorstandschef Vogel und Betriebsrat Bongen unterschrieben war.Beim Kauf der Aktienmehrheit von Thyssen würden acht bis neun Milliarden Mark fällig. Krupp bietet den Aktionären eine Barabfindung von 435 DM je Aktie an.Der Angebotspreis liege um 88,50 DM über dem Kassapreis vom Montag von 346,50 DM, hieß es.Das Angebot gelte für alle Thyssen-Aktien. Der Vorsitzende des Thyssen-Gesamtbetriebsrats, Bongen, sagte: "Wir werden mit der geballten Macht der Mannschaft dagegen vorgehen." An die Aktionäre von Thyssen appellierte er, ihre Anteile nicht um eines kurzfristigen Profites willen zu verkaufen.Zudem forderte Bongen die Bundesregierung auf, die Krupp-Pläne zu stoppen. Nordrhein-Westfalens Regierungschef Rau (SPD) sagte in Düsseldorf, er sei am Montag abend von Cromme und dem Ehrenvorsitzenden des Krupp-Aufsichtsrates, Beitz, über die Übernahmepläne informiert worden."Es handelt sich, wenn ich es richtig sehe, um ein von den Großbanken sorgfältig angelegtes und gut kalkuliertes Konzept mit dem Ziel, Synergieeffekte anzustoßen", sagte Rau.Er habe Cromme und Beitz bereits erklärt, die Landesregierung werde eine solche feindliche Übernahme keineswegs billigen.Die Regierung führe derzeit auch mit Thyssen Gespräche. Das Bundeskartellamt in Berlin erklärte, eine Übernahme sei bisher nicht angemeldet worden und müsse von der Brüsseler EU-Kommission geprüft werden.Bei Fusionen solch großer Unternehmen prüfe die Brüsseler EU-Kommission, ob eine marktbeherrschende Stellung entstehe, sagte Kartellamtschef Wolf.Nur wenn zwei Drittel der Umsätze in Deutschland getätigt würden, sei die deutsche Behörde zuständig.

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