Tibet : Helmut Schmidt: Olympia-Boykott war und ist "sinnlos"

1980 boykottierte Deutschland die Spiele in Moskau - ein Fehler, sagt der damalige Kanzler Helmut Schmidt heute. Auf Drängen der US-Regierung habe man aber damals trotzdem zugestimmt. Unterdessen greift Tibets Exil-Regierung den Westen scharf an. Der sei zu geldgierig, um gegen Peking die Hand zu erheben.

Jörg Vogler
Schmidt
Helmut Schmidt denkt heute anders über den Boykott von 1980, den er damals selbst mitgetragen hat. -Foto: ddp

Altkanzler Helmut Schmidt hält einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking für falsch. Schon bei den Spielen 1980 in Moskau habe ein solcher Boykott nichts genützt und sei sogar "sinnlos und schädlich" gewesen, erklärt der SPD-Politiker der "Bild". Pikant dabei: Die Regierung Schmidt hatte damals dem Drängen der USA nachgegeben und hatte keine Sportler nach Moskau geschickt. Schmidt begründet das heute mit der Bedrohung durch den Kalten Krieg: "Angesichts der sowjetischen Raketendrohung waren die Bundesrepublik und Westberlin existenziell auf die Schutzmacht USA angewiesen". Ein Boykott der Spiele 1980 habe "nichts gebracht" und werde auch "heute nichts bringen".

Die Lage in Tibet ist unterdessen weiter unübersichtlich. Derzeit befindet sich allerdings eine Gruppe von hochrangigen ausländischen Diplomaten auf dem Weg nach Lhasa, darunter auch ein Deutscher. Die Diplomaten sind zumeist Leiter auf der Ebene von politischen Abteilungen und werden von 16 Botschaften entsendet, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.

US-Regierung: China muss wieder ganz Tibet zugänglich machen

Das US-Außenministerium sprach in diesem Zusammenhang von einem "Schritt in die richtige Richtung". Die Visite in Lhasa sei aber "kein Ersatz" für Besuche von Diplomaten "und Anderen" in den tibetisch bewohnten Unruhegebieten außerhalb der Hauptstadt. Diese Regionen sind weiterhin gesperrt. "Wir werden weiterhin auf einen freien und vollständigen Zugang zu den betroffenen Gebieten drängen", sagte Außenamtssprecher Sean McCormack.

Die Visite war von der Pekinger Regierung organisiert worden und soll zwei Tage dauern. Erst am Mittwoch waren 26 ausländische Journalisten für drei Tage nach Lhasa gereist, die von protestierenden Mönchen berichteten. China beteuert unterdessen, die rund 30 demonstrierenden Tibeter würden nicht bestraft. Der Funktionär beschuldigte die Mönche jedoch, nicht die Wahrheit gesagt zu haben und die Welt in die Irre führen zu wollen.

Protestler stürmen UN-Verwaltung in Kathmandu

Die Exil-Regierung im indischen Dharamsala macht unterdessen Geldgier für die Tatenlosigkeit des Westens verantwortlich. "Niemand kann es sich leisten, China zu verärgern", erklärte der Regierungschef der Exilregierung, Samdhong Rinpoche. Der Westen halte China für einen "unbegrenzten Markt". Zwar liege Tibet dem Ausland am Herzen, aber die einmaligen wirtschaftlichen Aussichten im Riesenreich China wögen schwerer. Der Kapitalismus unterstützt damit Chinas "monolithisches totalitäres System" und führe weltweit zu einem "Verlust an menschlicher Moral".

Überall auf der Welt gehen die Proteste gegen China Vorgehen weiter. In Nepal stürmten junge Demonstranten ein UN-Gebäude und forderten, "dass die Uno die Unterdrückung der Tibeter durch China untersucht". Rund 40 Protestler wurden nach AFP-Angaben festgenommen. Nepal hatte am Dienstag angekündigt, keine anti-chinesischen Demonstration mehr zuzulassen. Anfang der Woche wurden in Kathmandu bereits 400 Menschen in Polizeigewahrsam genommen. Nepal akzeptiert zwar Pekings Ein-China-Politik, gewährt aber Zehntausenden Tibetern Unterschlupf im eigenen Staat.

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