Tibet-Konflikt : China spielt auf Zeit

China und Tibet sprechen wieder miteinander. Ob und worauf sie sich geeinigt haben, ist aber noch nicht bekannt - Experten vermuten, dass es nicht viel zu berichten geben wird. Sicher ist, es wird eine weitere Runde Konsultationen geben. Spielt China auf Zeit?

Dalai Lama
Der Dalai Lama, politisches und religiöses Oberhaupt der Tibeter. -Foto: AFP

Peking/Neu Delhi Intensiv hatte die Welt seit Beginn der Unruhen in Tibet die chinesische Regierung zum Dialog gedrängt. Als sich am Sonntag schließlich zwei Gesandte des Dalai Lama mit Vertretern der Regierung trafen, blieben internationale Journalisten vor der Tür. Frühestens Mitte der Woche soll die Weltöffentlichkeit erfahren, was dabei herausgekommen ist. Experten vermuten, dass es nicht viel zu berichten geben wird.

Vorläufiges und schlichtes Ergebnis am Sonntag war, dass sich die Parteien auf eine weitere Runde "Kontakte und Konsultationen" einigten, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am späten Abend berichtete. Wann und wo das passieren könnte, wurde nicht gesagt. Zu einem "angemessenem Zeitpunkt", lautete die magere Aussage.

Beide Seiten versuchten, die Erwartungen im Vorfeld zu dämpfen

Nach verbreiteter Meinung wollte sich China mit den Gesprächen vor den Spielen in Peking nur ein wenig Luft verschaffen. Die wegen des chinesischen Vorgehens in Tibet kritisierte Führung hat mit ihrem Entgegenkommen Zeit zum Durchatmen gewonnen. Auch die massiven Proteste entlang der olympischen Fackelläufe haben ein Ende, seitdem die Flamme in China angelangt ist. Die Regierung in Peking hat mit ihrem Dialogangebot diplomatisches Geschick bewiesen.

Das ist zumindest die eine Sichtweise der Dinge. "Vielleicht reagiert China auch auf einen viel ernsteren Druck: die mögliche Sorge über einen Verlust seiner Autorität und Glaubwürdigkeit in großen Teilen der tibetischen Bevölkerung", sagt Robert Barnett, Tibet-Experte der Columbia-Universität in New York. Allerdings hält der Experte dies selbst nicht für sehr wahrscheinlich. "Die Leute, die in den Gesprächen die Pekinger Seite repräsentieren, sind dieselben Leute, die für die Politik verantwortlich sind, die dem Anschein nach versagt hat", erklärt der Experte weiter.

Beide Seiten hatten sich im Vorfeld bemüht, die hohen Erwartungen zu dämpfen. Der chinesische Staatschef Hu Jintao äußerte sich zuvor verhalten optimistisch. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo News sagte er vor japanischen Journalisten in Peking: "Ich hoffe, dass die Kontakte mit der Seite des Dalai Lama ein positives Ergebnis bringen." Gleichzeitig wiederholte er frühere Anschuldigungen und äußerte die Erwartung, der Dalai Lama und seine Anhänger sollten "durch Taten" zeigen, dass sie ihre "separatistischen Aktivitäten" und ihre "Aufwiegelung zur Gewalt" aufgäben. Die chinesischen Medien hatten den Dalai Lama als "Verbrecher" beschimpft.

Aktivisten fordern, dass der Druck auf China erhalten bleiben muss

Wenn der Ort eines Treffens etwas über dessen Wert verrät, dann ist dies eine unbedeutende Zusammenkunft. Sie fand in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Shenzhen statt und nicht in der Hauptstadt Peking. Ungewöhnlich ist es nicht, da schon die letzte Gesprächsrunde im Juni/Juli 2007 in den Städten Nanjing und Shanghai und nicht im politischen Zentrum Chinas abgehalten worden war. Bezeichnend ist es dennoch. Denn schon bei früheren Runden hatte es keine konkreten Fortschritte gegeben. Die vergangene Runde sei von der tibetischen Seite sogar als "unproduktiv" oder gar "hinderlich" wahrgenommen worden, sagt der Tibet-Spezialist Barnett. Der Frust über die fehlenden Fortschritte sei auch ein Faktor, der zu den tibetischen Unruhen beigetragen haben könnte.

Immerhin: Chinas Führung und der Dalai Lama sprechen miteinander - wenn auch nur indirekt und inoffiziell. Aktivisten fordern, dass der internationale Druck auf China aufrechterhalten bleiben müsse, damit der Dialog auch zu einer veränderten Minderheitenpolitik in Tibet führt. Wenn es keine Ergebnisse gebe, habe China seinen wichtigsten Joker - das Dialogangebot - verspielt. (nim/dpa)

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