Politik : Tibetische Protestler in Indien nach vier Tagen gestoppt

Neu Delhi - Indiens Polizei hat am Donnerstag einen Protestmarsch von Exil-Tibetern gegen die chinesische Besatzung ihrer Heimat und die Olympischen Spiele inPeking gestoppt. Die Tibetische Volksaufstands-Bewegung TPUM teilte mit, am vierten Tag der Protestaktion hätten Polizisten im nordindischen Bundesstaat Himachal Pradesh nach rund 50 Kilometern die Marschroute blockiert.

Die etwa 100 Teilnehmer des Marsches, der vor den Olympischen Spielen im August nach Tibet führen sollte, seien vorübergehend festgenommen worden. Sie stünden nun unter Hausarrest und hätten einen unbefristeten Hungerstreik erklärt. Die Demonstranten waren am Montag in der tibetischen Exilhochburg Dharamsala im nordindischen Bundesstaat Himachal Pradesh gestartet

Der Marsch ist Teil von weltweiten Aktionen gegen Chinas Regime in Tibet. Anlass ist neben den Olympischen Spielen der 49. Jahrestag des tibetischen Aufstandes. Die Aktivisten dürften die Festnahmen einkalkuliert haben – wohlwissend, dass Indien sie nicht bis zur Grenze vorlassen wird. Zumal ihnen in China wohl Schlimmeres gedroht hätte. Indien ließ die Demonstranten unter Hausarrest stellen. Sie wollen nun in den Hungerstreik treten.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf Delhis schwieriges Verhältnis zu seinen tibetischen Gästen.Vor 49 Jahren flüchtete der Dalai Lama nach dem gescheiterten Aufstand in Tibet nach Indien. Seitdem gewährt Delhi ihm Exil und nimmt einen stillen Dauerkonflikt mit China in Kauf. In der Bergstadt Dharamsala hat das spirituelle Oberhaupt der Tibeter einige Tausend Anhänger um sich geschart und führt eine Art Exilregierung

In Delhi sieht man das mit zwiespältigen Gefühlen, weil man zunehmend an störungsfreien Kontakten zu Peking interessiert ist. Einerseits sympathisiert Indien mit den Anliegen der Exil-Tibeter und stellt ihre Duldung nicht in Frage. Andererseits verbittet man sich seit einigen Jahren aber größere Aktionen auf indischem Boden. Erstens will Indien China nicht noch mehr reizen. Zweitens sorgt sich Delhi, dass Aktionen der Exil-Tibeter die Separatisten im eigenen Land ermutigen könnten. chm/dpa

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