Politik : Tiefensee will Schloss mit Kuppel bauen

Minister: Bau für 480 Millionen Euro wird in drei Jahren beginnen / Bundestag soll noch 2007 abstimmen

Christian van Lessen,Antje Sirleschtov

Berlin - Die Bundesregierung will mit dem Bau des Berliner Schlosses in drei Jahren beginnen und plant, 480 Millionen Euro dafür auszugeben. Dort, wo derzeit der Palast der Republik abgerissen wird, soll ein Zentrum kultureller Begegnung und ein „Schaufenster der Weltkulturen“ errichtet werden, sagte Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) dem Tagesspiegel. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) stehe dem Projekt positiv gegenüber, noch für dieses Jahr plant der Verkehrsminister eine Abstimmung im Bundestag und die Auslobung eines Architekturwettbewerbs.

Entgegen jüngsten Berichten macht sich Tiefensee auch für die Errichtung eines Kuppelbaus stark. Für ihn gehöre eine Kuppel aus historischen Gründen zu dem Gebäude, das Humboldt-Forum heißen und sowohl in Kubatur wie Fassade dem Stadtschloss preußischer Könige entsprechen soll, das die DDR-Regierung nach dem Zweiten Weltkrieg sprengen ließ. Tiefensee will den Kuppelbau jedoch an die Einhaltung des Kostenrahmens knüpfen. Unter dieser Bedingung wolle er nicht auf die Kuppel verzichten. Der Bau eines Hotels sei vom Tisch.

Architektonisch soll auch an den Palast der Republik erinnert werden. „Die DDR darf man dort nicht wie eine Seite aus einem Buch herausreißen“, begründete der Minister Pläne, die der Spree zugewandte Ostseite des Humboldt-Forums so gestalten zu lassen, dass sie an das DDR-Bauwerk erinnert. Auch an den Einbau des ehemaligen DDR-Volkskammersaales sei gedacht.

Für das Humboldt-Forum plant Tiefensee Ausstellungen außereuropäischer Kultur und verschiedene Begegnungsstätten. Es gehe nicht darum, ein traditionelles Museum zu errichten, sondern einen „Marktplatz der Debatte“ in direkter Nachbarschaft zur Museumsinsel, der „das Zentrum der Stadt wieder mit Leben erfüllt“. Der Schlossbau soll mit 80 Millionen Euro Spenden errichtet werden, die der Förderverein von Wilhelm von Boddien sammeln will. Tiefensee zeigte sich „sehr zuversichtlich“, diese Summe erhalten zu können. Einen Teil des Geldes könne der Bund vorfinanzieren. Das Land Berlin forderte er auf, sich neben der Bereitstellung des Grundstückes mit einem „Millionenbetrag“ an den Baukosten zu beteiligen. Tiefensee bezeichnete eine Zusage des Senats als „Voraussetzung“ für den Bau.

Der Wiederaufbau eines Gebäudes war im April 2002 von der Internationalen Expertenkommission Historische Mitte Berlin empfohlen worden. Der Bundestag hatte im folgenden Juli mit Zweidrittelmehrheit den Wiederaufbau beschlossen, das Gebäude sollte auf drei Seiten die historischen Fassaden haben. Finanzielle Fragen blieben offen. Der Förderverein hat bislang Geld und Zusagen in Höhe von 13,6 Millionen Euro gesammelt.

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