Politik : Tierseuchen: Künast rechnet mit MKS in Deutschland

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Durch den ersten bestätigten Fall von Maul- und Klauenseuche in den Niederlanden ist nach Einschätzung von Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) die Gefahr eines Übergreifens der Seuche auf Deutschland gewachsen. Durch die Nähe der Provinz Gelderland sei die Gefahr gestiegen, sagte Künast am Mittwoch in Berlin. Niemand dürfe sich in Sicherheit wiegen, sagte Künast. Sie verwies darauf, dass Klauentiere aus den Niederlanden bereits seit dem 13. März nicht mehr nach Deutschland transportiert werden dürften. "Zumindest insoweit ist eine Infektionsgefahr nicht vorhanden", sagte Künast.

Derweil hat die Europäische Komission am Mittwoch ein Exportverbot für holländische Tiere und Fleischprodukte erlassen. "Wir hoffen, dass wir den Fall schnell eindämmen können", sagte Beate Gminder, die Sprecherin von EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne. Falls in Frankreich nicht ein neuer Ausbruch von Maul- und Klauenseuche festgestellt wird, soll das umfassende Exportverbot für lebende Tiere am 28. März für das ganze Land aufgehoben werden. Großbritannien dagegen unterliegt unvermindert weiter den strikten Absperrungs- und Embargomaßnahmen der EU. In der gesamten EU bleibt das Transportverbot für Tiere, die sich mit der Seuche infizieren könnten, vorerst in Kraft.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Deutschland werde dieselben Maßnahmen ergreifen wie bei Bekanntwerden des ersten französischen MKS-Falles, kündigte Künast an. Diese hätten sich bewährt. Alle Transporte vor lebenden Klauentieren und Fleisch von den Niederlanden nach Deutschland in den vergangenen vier Wochen würden überprüft. Tierbestände, in denen es Kontakt mit dem niederländischen Seuchenbestand gegeben habe, würden getötet.

Auch Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) erwartet den Ausbruch der Seuche in Deutschland. Dem ZDF sagte sie: "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir hier den Virus haben, ist sehr groß." Aus der von dem Virus betroffenen holländischen Provinz Gelderland seien seit 1. Februar Tiere in 1200 Betriebe im benachbarten NRW transportiert worden. Diese Betriebe würden nun gesperrt. Zudem würden die Grenzen verstärkt kontrolliert. Höhn sagte weiter, ihr Bundesland sei auf die Seuche vorbereitet. Der Krisenstab habe sich in den vergangenen Tagen mehrfach getroffen. An ihm sei das Innenministerium beteiligt, das den Polizeieinsatz koordiniere.

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Maul- und Klauenseuche in den Niederlanden

Die Grünen-Politikerin forderte erneut Vorsorge-Impfungen gegen Maul- und Klauenseuche. Die EU müsse ihre Strategie überdenken, auf ein Impfverbot und die Tötung der betroffenen Tiere zu setzen. "Trotz Tötung ist die Seuche nicht mehr zu stoppen", sagte Höhn. Notimpfungen um betroffene Höfe wie in den Niederlanden seien ebenfalls nicht sinnvoll, da die Tiere im Anschluss dennoch getötet würden.

In den Niederlanden ist wahrscheinlich ein zweiter Hof von der Seuche betroffen. Landwirtschaftsminister Laurens Brinkhorst sagte am Mittwoch in Den Haag, er sei davon überzeugt: "Der Fall in Olst ist für mich eine Bestätigung, dass sich auch der Verdacht bei dem Betrieb in Oene bestätigt." Bei zwei weiteren Betriebe in Oosterwolde und im südniederländischen Maren-Kessel besteht ebenfalls Seuchenverdacht. Diese Höfe hatten Kontakt mit dem Betrieb in Oene. Ein endgültiges Ergebnis der Tests von diesen Betrieben wird erst am Freitag erwartet.

Seit elf Uhr gilt in den Niederlanden ein absolutes landesweites Transportverbot für Vieh, Geflügel, Gülle, Tierfutter und Mist. Auch wurde der Ex- und Import von Kühen, Schafen und Ziegen verboten. Im Umkreis von zehn Kilometern um den verseuchten Hof darf auch keine Milch mehr transportiert werden.

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