Politik : Tierseuchen: Mit Künast - aber gegen den ökologischen Umbau

Ulrike Fokken

Manfred Nüssel ist erleichtert. Als Präsident des Deutschen Raiffeisenverbands und damit verantwortlich für 3846 Agrar- und Vermarktungsgenossenschaften ist er neben Bauernpräsident Gerd Sonnleitner der wichtigste Kontrahent von Landwirtschaftsministerin Renate Künast. Aber: "Wir sind nicht mit so viel Veränderungspotenzial konfrontiert wie ursprünglich angenommen", gestand Nüssel am Donnerstag. Erfreut ist er über Künasts Ablehnung der Pläne von EU-Agrarkommissar Franz Fischler. Fischler will unter anderem nur noch Betriebe mit höchstens 90 Rindern fördern. "Das macht keinen Sinn", sagte Nüssel. Denn Kleinbetriebe würden nicht automatisch besseres Fleisch produzieren. Im Gegenteil. Gerade die Großbetriebe mit bis zu 1200 Rindern in Ostdeutschland könnten ihre Produktion einfacher umstellen und das Futter selbst anpflanzen. Damit sind die Züchter nicht mehr auf gekauftes Futtermittel angewiesen, das für die Verbreitung des Rinderwahnsinns verantwortlich gemacht wird. Ausschlaggebend für hochwertiges Fleisch sei nicht die Größe eines Betriebes, sondern wie die Tiere gehalten würden.

Nüssel ist auch gegen eine weitere staatliche Aufkaufaktion, um den Rindfleischpreis zu stützen. Der Markt sei teilweise um bis zu 40 Prozent eingebrochen, erhole sich nun aber zumindest für Jungbullen wieder. Die Bauern behielten hingegen die Kühe im Stall, weil sie auf die höheren Preise der staatlichen Aufkäufe warteten. Die jetzt geschlachteten Tiere würden fast ausschließlich nach Russland exportiert.

Differenzen dürfte es zwischen Nüssel und Künast dennoch reichlich geben. Nüssel lehnt eine Ökologisierung der Landwirtschaft ab, die Künast bislang noch fordert. Für ihn gebe es keinen qualitativen Unterschied zwischen ökologisch und konventionell erzeugtem Fleisch, Obst oder Gemüse. "Die Ökologisierung ist kein Mittel gegen BSE", sagte Nüssel. Er findet die Unterscheidung zwischen den beiden Produktionsweisen "zu stark emotionalisiert".

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Bei einem der anstehenden Runden Tische mit der Landwirtschaftsministerin oder Kanzler Gerhard Schröder wird Nüssel Gelegenheit haben, die Positionen der Genossenschaften und ihrer 2,9 Millionen Mitglieder darzulegen. "Ich habe keine Sorge, dass wir schlecht vertreten sind", sagte Nüssel.

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