"Time"-Magazin ehrt Angela Merkel : "Die Kanzlerin der Freien Welt" ist Person des Jahres

Das "Time"-Magazin staunt über Angela Merkel und kürt sie zur wichtigsten Persönlichkeit des Jahres. Vor allem ihr Umgang mit den Flüchtlingen nötigt der Redaktion Respekt ab.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Titelbild des Time-Magazines.
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Titelbild des Time-Magazines.Foto: AFP

Die Auszeichnung ist so begehrt wie gefürchtet. Wenn das „Time“-Magazin seine „Person des Jahres“ kürt, dann folgt die Entscheidung seit 1927 einem doppelbödigen Motto: „For better or for worse“ – im Guten oder im Bösen muss einer herausragen aus der Polit-Prominenz. Diesmal entschied sich die Redaktion für „better“. „Time“ hat Angela Merkel zur wichtigsten Persönlichkeit des Jahres gekürt – die erste Deutsche seit Willy Brandt.

Das Urbild der Polit-Magazine begründet die Wahl mit allem Pathos, zu dem Amerika fähig ist: „Die Kanzlerin der Freien Welt“ überschreibt das Blatt die Titelgeschichte. Der Text spiegelt das Staunen über eine Frau, deren Politikstil auch jenseits des Atlantiks lange als „entschlossen langweilig“ wahrgenommen wurde, gezieltes Understatement an der Spitze einer Wirtschaftsweltmacht.

Doch drei Mal in diesem Jahr, schreibt Chefredakteurin Nancy Gibbs, habe die Zukunft Europas als historisches Experiment auf dem Spiel gestanden. Alle drei Mal habe Merkel entschlossen agiert: in der Griechenland-Krise zur Rettung der Euro-Zone, in der Flüchtlingskrise für das Prinzip der offenen Grenzen, schließlich nach dem Terror von Paris den alten Reflexen zur Abschottung widerstanden.

Vor allem Merkels Umgang mit den Flüchtlingen nötigt der Redaktion Respekt ab. „In einer Zeit, in der ein Großteil der Welt wieder scharfe Debatten über die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit führt, fordert die Kanzlerin vom deutschen Volk viel ein, und durch das Beispiel auch von uns. Offenherzig zu sein. Furchtlos zu sein. Daran zu glauben, dass große Kulturen Brücken bauen statt Mauern.“

Die Geehrte reagierte, wie es ihre Art ist: Regierungssprecher Steffen Seibert zeigte sich „sicher, die Bundeskanzlerin empfindet das als Ansporn für ihre politische Arbeit für eine gute Zukunft für Deutschland wie auch für Europa“. Bissig dagegen ein Unterlegener. „Sie haben die Person ausgewählt, die Deutschland ruiniert“, belferte Donald Trump. Der republikanische Präsidentschaftskandidat war in der „Time“-Kandidatenliste die Nummer drei, hinter IS-Oberterrorist Abu Bakr al Bagdhadi – beide gewisslich „for worse“.

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