Timoschenko : Hoffnung für Timoschenko

Charité-Chef Einhäupl reist erneut in die Ukraine. Die Regierung denkt offenbar darüber nach, Timoschenko ausreisen zu lassen

Kiew - Das Urteil der Ärzte aus Deutschland war eindeutig: Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko muss außerhalb des Gefängnisses medizinisch behandelt werden. Die Patientin wäre auch „in einer deutschen Haftanstalt nicht behandelbar“, erklärte Charité-Chef Karl Max Einhäupl in einem Gutachten Mitte Februar. In dieser Woche will er mit seinem Kollegen Norbert Haas erneut zu Timoschenko in die Ukraine reisen. Offenbar hat sich die ukrainische Regierung dazu entschlossen, Timoschenko nach Berlin ausreisen zu lassen. Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Rinat Kuzmin sagte in einer Fernsehsendung: „Die Frage einer Behandlung Timoschenkos wird derzeit mit der deutschen Regierung diskutiert. Eine Versorgung in Berlin könnte Wirklichkeit werden.“ Das Außenministerium in Kiew lud vor einigen Tagen die Charité-Ärzte ein, das Krankenhaus des Eisenbahners in Charkow zu begutachten.

„Es trifft zu, dass Norbert Haas und ich vom ukrainischen Staatsanwalt zum Besuch in das Krankenhaus in Charkow eingeladen wurden, um zu prüfen, inwieweit die Möglichkeiten für eine Behandlung dort optimal sind“, sagte Charité-Chef Karl Max Einhäupl dem Tagesspiegel am Montag auf Anfrage. Man werde versuchen, die Einladung „sehr rasch“ anzunehmen. Aus ukrainischen Quellen erfuhr der Tagesspiegel, dass im Krankenhaus von Charkow bereits ein ganzes Stockwerk für die Behandlung von Timoschenko bereitgestellt worden ist. In Charkow soll Timoschenko nach dem Wunsch der ukrainischen Behörden behandelt werden. Timoschenko aber pocht auf eine Behandlung in Berlin, weil sie kein Vertrauen in die ukrainischen Behörden hat. Möglicherweise sieht sie in der Verlegung ins Ausland auch die Chance, wieder aktiver in die Politik eingreifen zu können. Seit ihrer Inhaftierung ist sie faktisch abgeschnitten von der Außenwelt: Nur ihr Anwalt und ihre Tochter dürfen sie besuchen.

Auch der Regierung in Kiew kommt ein Exil in Berlin offenbar gelegen. Sie hofft möglicherweise, dass die wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilte Timoschenko nach abgeschlossener Behandlung nicht wieder in die Ukraine zurückkehrt. dapd/akü

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