Politik : Tod am Galgen – weil sie schwul waren?

Iran: Menschenrechtler kritisieren Hinrichtung eines 16- und eines 18-Jährigen

Philipp Lichterbeck

Berlin - Die Hinrichtung zweier Jugendlicher in Iran hat weltweit Entsetzen hervorgerufen. Der 16-jährige Mohammed Askari und der 18-jährige Ayad Marhuni waren in der vergangenen Woche in der 900 Kilometer östlich von Teheran gelegenen Stadt Mashad öffentlich aufgehängt worden. Zuvor hatte man ihnen 228 Peitschenhiebe verpasst. Fotos der Hinrichtung zeigen, wie maskierte Henker den beiden Stricke um den Hals legen. Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte hatten die jungen Männer weinend Interviews gegeben. Die Gründe für die Exekution sind weiterhin unklar. Die iranischen Behörden gaben bekannt, dass Askari und Marhuni, die der arabischen Minderheit in Iran angehören, einen 13-jährigen Jungen vergewaltigt hätten. Außerdem sollen sie auch Alkohol getrunken und gestohlen haben.

Menschenrechtsgruppen wie die britische Schwulenorganisation „Outrage“ sehen darin eine Behauptung, um die Hinrichtung der beiden Jugendlichen im Ausland zu rechtfertigen. Laut „Outrage“ seien die beiden für ihre Homosexualität bestraft worden. Diese Version wird vom Iranischen Widerstandsrat und dem Nachrichtenservice der Vereinten Nationen, IRIN, gestützt. Die beiden Jungs hatten in Interviews gesagt, dass sie homosexuelle Kontakte gehabt hätten. Sie hätten aber nicht gewusst, dass dies verboten sei. In Iran ist Homosexualität ein Verbrechen, das mit dem Tode bestraft werden kann. Die Internationalen Lesben und Schwulen Assoziation (ILGA) geht davon aus, dass in Iran seit 1979 mehr als 4000 homosexuelle Männer und Frauen hingerichtet worden sind.

Unabhängig von den Gründen für die Verurteilung hat der Iran mit der Hinrichtung gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstoßen. Askari und Marhuni waren zur vermeintlichen Tatzeit noch minderjährig. In der UN-Konvention hat sich Iran dazu verpflichtet, keine minderjährigen Täter mehr hinzurichten. Noch im Oktober 2004 hatte die iranische Regierung der Europäischen Union versichert, dass sie keine Minderjährigen mehr exekutiere oder auspeitsche. Dennoch gab Irans höchstes Gericht dem Antrag des Anwalts der Todeskandidaten nicht statt, die Hinrichtung in fünf Jahre Haft umzuwandeln. Jungs gelten in Iran ab dem 15. Lebensjahr als strafmündig, Mädchen, sobald sie neun Jahre alt sind. Im vergangenen Jahr wurde in der Stadt Neka am Kaspischen Meer ein 16-jähriges Mädchen aufgehängt, weil sie Sex vor der Ehe gehabt haben soll. Der Fall hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil das Mächden psychisch gestört gewesen sein soll.

Mittlerweile haben die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und Amnesty International sowie Human Rights Watch die Regierung in Teheran aufgefordert, die Hinrichtungen Jugendlicher zu stoppen. Obwohl es keine offiziellen Zahlen gibt, schätzen iranische Oppositionelle, dass im Jahr 2004 rund ein Dutzend Minderjährige im Iran exekutiert worden sind. Insgesamt seien seit der islamischen Revolution 1979 rund 100 000 Iraner hingerichtet worden, 159 allein im vergangenen Jahr.

Damit liegt Iran, was die Anzahl der Exekutionen angeht, weltweit an zweiter Stelle hinter China.

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