Tod im Gerichtssaal : Anwalt will neue Richter im Fall Marwa

Im Fall der in einem Dresdner Gerichtssaal getöteten Ägypterin Marwa El Sherbini will der Anwalt des mutmaßlichen Mörders den anstehenden Prozess vor dem Landgericht in einen anderen Gerichtsbezirk verlegen lassen.

Berlin - Er sieht eine „besondere Situation“, weil die im Prozess auftretenden Zeugen den Richtern persönlich bekannt seien, sagte der Dresdner Rechtsanwalt Michael Sturm am Dienstag dem Tagesspiegel. Dies begründe Umstände „knapp unterhalb der Befangenheit“. Das Oberlandesgericht muss nun darüber entscheiden. Auch Sicherheitsgründe sprächen für eine Verlegung, etwa nach Leipzig.

Der Russlanddeutsche Alex W. hatte die schwangere El Sherbini Anfang Juli mit 16 Stichen in Gegenwart ihres Mannes und ihres Sohnes getötet. Vorausgegangen war ein Streit auf einem Spielplatz. W. hatte die 31 Jahre alte Frau als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft, daraufhin zeigte sie den Mann an und sagte in einem Beleidigungsprozess gegen ihn aus. Der Fall erregte international Aufsehen, auch, weil er zunächst nicht als islamfeindliche Attacke wahrgenommen wurde.

Der Prozess gegen den 28-jährigen mutmaßlichen Täter soll Ende Oktober beginnen. Angeklagt wird der Mann wegen Mordes, weil der Angriff auf die Frau heimtückisch und aus „Hass auf Muslime“ erfolgt sei, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Auch in Justizkreisen wird eine Verlegung des Prozesses mindestens innerhalb Dresdens diskutiert. Der erwartete Andrang und die aufwändigen Personenkontrollen könnten dann besser bewältigt werden, hieß es. neu

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