Todesdekret aus Iran : Bedrohter Rapper Najafi in Obhut von Günter Wallraff

Der nach einer Fatwa iranischer Geistlicher mit dem Tod bedrohte Rapper Shahin Najafi wird offenbar von Schriftsteller Günter Wallraff geschützt. Najafi war nach zwei Todesdrohungen aus Iran abgetaucht.

Rapper Najafi will sich trotz Todesdrohungen aus Iran den Mund nicht verbieten lassen.
Rapper Najafi will sich trotz Todesdrohungen aus Iran den Mund nicht verbieten lassen.Foto: dapd

Günter Wallraff rief in der "Zeit" zur Solidarität mit dem nach der Drohung untergetauchten iranischen Musiker auf: „Shahin ist nicht so berühmt wie Salman Rushdie, der 1989 in einer Fatwa mit dem Tod bedroht wurde. Ich habe damals Rushdie bei mir aufgenommen. Ich wünsche mir jetzt, dass wir eine breite Solidarität mit Shahin organisieren können. Ich rufe die Künstler und Musiker dieses Landes auf, ihm zu helfen.“ Der Schriftsteller fügte hinzu, Shahin Najafi sei "die Hoffnung des anderen, jungen Irans. Er kann in Zukunft noch eine große Rolle spielen."

Najafi selbst kündigte an, er werde weiter auftreten. "Ich lasse mich nicht einschüchtern. Jetzt erst recht. Ich bin Musiker. Mein Publikum erwartet von mir, dass ich weitermache."

Zwei hohe iranische Geistliche hatten eine Fatwa – eine Rechtsmeinung – zu Najafis Musik abgegeben. Darin befinden sie, dass Najafi vom Glauben abgefallen sei. Außerdem wurde ein Kopfgeld von 100 000 Dollar ausgesetzt.

Das zweite Todesdekret wurde von Großajatollah Nasser Makarem Schirasi ausgesprochen, meldete der Nachrichtendienst Tabnak am späten Montagabend. Schon in der vergangenen Woche hatte Großajatollah Lotfollah Safi-Golpaygani gegen den 31-Jährigen ein Todesdekret erlassen, weil dieser in einem seiner Songs den zehnten Imam der schiitischen Muslime beleidigt haben soll. Najafi lebt mittlerweile an einem geheimen Ort unter Polizeischutz und hat gegen Safi-Golpaygani Strafanzeige wegen Aufrufs zum Mord gestellt.

Auf eine Anfrage seiner Anhänger, wie die Gläubigen auf Beleidigungen schiitischer Heiliger durch Najafi reagieren sollten, hatte Großajatollah Makarem Schirasi nun erwidert: „Jegliche Beleidigung heiliger (schiitischer) Imame durch einen Muslim wird als Blasphemie und Apostasie ausgelegt.“ Nach islamischen Gesetzen, die im Iran als Basis der meisten juristischen Urteile gelten, steht auf Blasphemie die Todesstrafe.

Makarem Schirasi und Safi-Golpaygan gelten im Iran als sogenannte Leitfiguren, deren Antworten von den Anhängern befolgt werden müssen. Die Großajatollahs fällen zwar keine Todesurteile im juristischen Sinne, aber ihre Dekrete gelten für ihre Anhänger de facto als solche.

Najafi hatte in einem Interview des "Spiegel" gesagt: "Ich mache weiter, das weiß ich. Ich kann mich nicht verstecken. Ich bin Musiker. Ich muss auftreten." Anfangs habe er die Situation noch falsch eingeschätzt. "Ich konnte es nicht glauben. Erst als ich im Internet das Kopfgeld sah, die 100 000 Dollar, die auf mich ausgesetzt worden sind, verstand ich wirklich, das ist jetzt Ernst." (mit dpa)

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