Tödliche Kämpfe in Syrien : Arabische Liga mahnt zum Frieden

Syrien scheint weiter in Richtung eines Bürgerkriegs zu gleiten. Soldaten und Deserteure liefern sich blutige Gefechte. Die Arabische Liga mahnt Damaskus zur Waffenruhe; das Regime spricht von Lügen.

18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
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18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Syrische Truppen und zur Opposition übergelaufene Deserteure haben sich auch am Samstag in der Rebellenhochburg Homs blutige Gefechte geliefert. Dabei wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens drei Menschen getötet und fünf verwundet. Die Truppen des Staatschefs Baschar al-Assad hätten die Stadt den zweiten Tag in Folge beschossen, hieß es. Aus anderen Teilen Syriens wurden ebenfalls mehrere Tote gemeldet.

Mit dem Einsatz von Panzern hat das syrische Militär seine Offensive in der Protesthochburg Homs Bewohnern zufolge fortgesetzt. Ein Altstadtviertel sei unter Beschuss genommen worden. Drei Zivilisten seien getötet worden, einer durch Scharfschützen, die anderen beiden durch Maschinengewehrfeuer, teilte die Menschenrechtsgruppe Syrian Observatory mit.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, Dutzende Angehörige „terroristischer Banden“ seien in Homs festgenommen worden. Der „New York Times“ zufolge duldet die Türkei im eigenen Land ein Lager der aus Deserteuren gebildeten „Freien Syrischen Armee“. In dem Lager hielten sich 60 bis 70 Kämpfer auf.

Erst am Freitag hatten syrische Truppen nach Angaben von Bewohnern und Aktivisten 40 Zivilisten getötet. Demonstranten hatten einen ausländischen Militäreinsatz zum Schutz vor den Truppen von Präsident Baschar al-Assad gefordert. Am Abend griffen dann Aktivisten zufolge abtrünnige Soldaten zwei Sicherheitsposten in Homs an und töteten 17 Soldaten.

Die Arabische Liga sah sich zu ihrer bislang schärfsten Reaktion veranlasst. In einem Schreiben an die syrische Führung habe sie “ihre hohe Unzufriedenheit wegen der anhaltenden Tötung syrischer Zivilisten“ zum Ausdruck gebracht, teilte die Liga mit. Die Regierung müsse Zivilisten schützen. Syrien wies den Appell zurück. Die Vorwürfe der Arabischen Liga basierten „auf Lügen, die von aufstachelnden Fernsehsendern verbreitet“ würden, hieß es. Der Liga-Ministerausschuss war am 16.Oktober gebildet worden, um auf ein Ende der Unruhen in Syrien hinzuwirken. An diesem Sonntag wollten Vertreter der Arabischen Liga und Syriens erneut über die Lage sprechen.

Tausende Demonstranten hatten nach Aktivistenangaben eine Flugverbotszone zum Schutz der syrischen Zivilbevölkerung gefordert, wie sie die Nato über das Libyen Muammar al-Gaddafis durchgesetzt hatte. Eine entsprechende Resolution des UN-Sicherheitsrates hätte jedoch keine Chance, weil Russland und China ihr Veto einlegen würden und auch die westlichen Staaten kein militärisches Engagement wollen.

Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März sind nach Angaben der Vereinten Nationen 3000 Menschen getötet worden, darunter fast 200 Kinder. Die syrische Führung hat erklärt, für die Gewalt seien Bewaffnete verantwortlich, die 1100 Soldaten und Polizisten umgebracht hätten. Die Angaben von Behörden und Aktivisten sind nur schwierig zu überprüfen, da Syrien die meisten ausländischen Medienvertreter des Landes verwiesen hat.

Das britische Außenministerium warf Assad vor, auf friedliche Demonstranten zu schießen. In einem Kommentar mit dem Titel „Mythen und Realität“, der am Freitagabend auf der Website der Botschaft veröffentlicht wurde, heißt es, Assads Aufruf zum „nationalen Dialog“ mit der Opposition sei nicht ernst gemeint. Die syrische Führung sei nur bereit, mit von ihr handverlesenen vorgeblichen Regimekritikern zu sprechen. Entgegen öffentlichen Verlautbarungen seien keineswegs alle politischen Gefangenen freigelassen worden. Alle von Assad beschlossenen Reformen hätten sich als leere Versprechungen herausgestellt. Der Präsident habe jede Legitimität verloren. (rtr/dpa)

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