Politik : Tödliche Wellen

Die Behörden bestätigen mehr als 55 000 Opfer. Aber noch sind längst nicht alle Toten gezählt - und nun drohen Seuchen

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Berlin Stündlich werden am Dienstag die Opferzahlen nach oben korrigiert. Und auch wenn am Abend bereits von mindestens 55 000 Menschen ausgegangen wird, die rund um den Indischen Ozean bei dem Seebeben ums Leben gekommen sind, ist das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe noch nicht abzusehen. Hieß es zunächst, in Indonesien seien etwa 5000 Menschen gestorben, rechnete der indonesische Vizepräsident Yusuf Kalla gestern mit bis zu 27 000 Toten allein in seinem Land. Geborgen waren dort bis zum gestrigen Abend 19 000 Opfer. Am schlimmsten betroffen sind nach derzeitigem Informationsstand Fischerdörfer an den Küsten Indiens, Sri Lankas und Indonesiens.

Viele Vermisste wird man vermutlich nie mehr finden, sie wurden ins Meer hinausgezogen und ertranken. Ein Drittel der Toten, so rechnet man, sind Kinder. Das Sterben wird jedoch nicht Halt machen, denn jetzt drohen Krankheiten und Seuchen, weil in den betroffenen Gebieten vor allem Trinkwasser fehlt. Und Gefahr geht – wie auf Sri Lanka – auch von weggespülten Landminen aus.

Von Toten in Tansania und Kenia, etwa 6000 Kilometer vom Zentrum des Bebens vor Sumatra entfernt, erfuhr die Welt überhaupt erst am Dienstag. Ebenfalls erst am Dienstag drangen aus der abgeschirmten Militärdiktatur Birmas erste Informationen. Dort starben nach bisherigen Angaben 90 Menschen. Die Auswirkungen waren allerdings noch in viel weiter entfernten Regionen als an der afrikanischen Ostküste zu spüren. Noch in Neuseeland kamen die Tsunami-Wellen an, einen höheren Wellengang verzeichneten auch Australien und sogar Kalifornien. babs/sc

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