Tödlicher Anschlag : Christlicher Minister in Pakistan ermordet

Der pakistanische Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, ein Christ, ist am Mittwoch in Islamabad ermordet worden. Erst im Januar hatte es einen tödlichen Anschlag im Zusammenhang mit dem umstrittenen Blasphemie-Gesetz gegeben.

Shahbaz Bhatti.
Shahbaz Bhatti.Foto: AFP

Der Polizeichef der pakistanischen Hauptstadt, Kalim Imam, sagte, Bhatti sei von zehn Kugeln getroffen worden. Der Minister hatte sich für Änderungen am umstrittenen Blasphemie-Gesetz seines Landes eingesetzt. Islamisten hatten ihn deswegen mit dem Tode bedroht.

Das umstrittene Gesetz verbietet generell die Beleidigung jeder Religion. Die schwersten Strafen können bei der Schändung des Koran und des Namens des Propheten Mohammed verhängt werden.

Bhatti gehörte der regierenden Volkspartei PPP an. Er hatte noch im vergangenen Monat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa Änderungen am Blasphemie-Gesetz gefordert, um den weit verbreiteten Missbrauch zu stoppen. Der Christ hatte gesagt, wegen seiner Kritik an dem Gesetz erhalte er Todesdrohungen. Er sei aber bereit, notfalls für seine Haltung zu sterben. Islamisten in Pakistan laufen Sturm gegen Änderungen an dem Gesetz.

Wegen Kritik am Blasphemie-Gesetz war zu Jahresbeginn der Gouverneur der ostpakistanischen Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem Leibwächter erschossen worden. Der Attentäter Mumtaz Hussain Qadri wird von weiten Teilen der Bevölkerung als Held gefeiert.

Die PPP-Abgeordnete Sherry Rehman war Anfang Februar damit gescheitert, Änderungen des Gesetzes einzubringen. Unter dem Druck islamistischer Massenproteste hatte Premierminister Syed Yousuf Raza Gilani angekündigt, Rehman werde ihre Änderungsvorschläge zurückziehen.

Bhatti hatte in dem dpa-Gespräch betont, die religiösen Minderheiten forderten weder die völlige Abschaffung des Gesetzes noch Straffreiheit für Gotteslästerung. Dennoch hätten muslimische Extremisten die Massen aufgestachelt. "Und ich glaube fest daran, dass Elemente bei den Protesten den Taliban angehörten." Sie wollten durch die Aufwiegelei die Aufmerksamkeit der Regierung vom Krieg gegen den Terrorismus ablenken und die Atommacht Pakistan destabilisieren. (dpa)

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