Politik : Tolle Typen

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ein guter Regierungssprecher ist immer auf der Hut – auch wenn auf einer Podiumsdiskussion gerade die Nachhaltigkeitsstrategie der rot-grünen Koalition sehr gelobt wird. Wie Öffentlichkeitsarbeiter auch unvorhersehbare Angriffe sofort parieren, führte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Donnerstag vor. Auf dem Forum zur Nachhaltigkeit im Bundespresseamt begann der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Michael Prinz zu Salm-Salm, seinen Beitrag nicht mit Thesen über das Konzept der Regierung für den Weltgipfel von Johannesburg. Vielmehr attackierte er forsch den Ort der Veranstaltung, einen fensterlosen Raum des Presseamtes. Dem eloquenten Waldbesitzer missfiel, dass die Architekten statt des nachwachsenden Rohstoffs Holz für ihr Werk nur Glas, Stahl und Kunststoff gewählt hatten. „Wenn ich mir diesen Raum anschaue, finde ich ihn nicht sehr nachhaltig gebaut.“

Kaum war der Satz gefallen, erlebten die Zuhörer eine Intervention aus dem Publikum. Hausherr Heye nämlich wollte den ehrenrührigen Vorwurf nicht hinnehmen und stellte von seinem Sitz aus lautstark klar, dass die Entscheidung für den kritisierten Bau der konservativ-liberalen Vorgängerregierung anzulasten sei – in Sachen Nachhaltigkeit will sich die Bundesregierung eben keine Blöße geben.

Der Waldbesitzer-Lobbyist zeigte sich dann aufgeschlossener für Kritik an seiner Branche – allerdings nur bei Sünden vergangener Zeiten. Als auf dem Podium Kahlschläge in Wäldern angeprangert wurden, gestand Salm-Salm ein: „Es ist nicht so, dass wir immer tolle Typen waren. Auch wenn ich heute so aussehe.“ Hans Monath

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