Politik : Tony Blair zur EU: Unbritisch aufgeschlossen

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Er ist noch nicht untergegangen, Tony Blair. Der Meister von der Insel, dem nach seinem fulminanten Wahlsieg die Festlandeuropäer in Gestus und Politikstil nacheiferten, hat jetzt gleich mehrere Zeichen gesetzt. Inhalt und Symbolik, bald perfekt miteinander verbunden. Erstens gibt Blair in Warschau - und damit beim größten Beitrittskandidaten jenseits der Ostgrenze der EU - seine Europa-Antwort auf Joschka Fischer und Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac. Zweitens bleibt er auch unter schwerem innenpolitischen Druck von rechts unbritisch aufgeschlossen für Europa. Drittens macht Blair klar, dass er die Erweiterung der EU (mit konkretem Datum) nicht deshalb anstrebt, um deren innere Bindekraft zu schwächen. Supermacht, nicht Superstaat: Er ist für eine starke Nation, aber auch für eine starke Union der Nationalstaaten, nicht einfach nur für eine erweiterte Freihandelszone. Das ist, britisch kühl ausgedrückt, erfreulich. Weil es auch die Europa-Skeptiker hier zu Lande als Schlag empfinden müssen. Nun lautet eine alte Erkenntnis: Wer gibt, der will auch nehmen. Beim EU-Gipfel in Nizza im Dezember ist Wachsamkeit angesagt. Vielleicht wird Blair wieder die Flexibilitätsklausel verhindern, die es einzelnen Staaten erlaubt, bei der Integration voranzuschreiten. Er will ja daheim nicht untergehen.

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