Politik : Top-Terrorist stirbt durch Terrorakt Hisbollah-Chef Mugniah

in Syrien getötet

Frank Jansen

Berlin - Der Mann ist für den Tod hunderter Menschen verantwortlich und galt als einer der gefährlichsten Terroristen der Welt. Nun ist Imad Fayez Mugniah, Mitgründer und Sicherheitschef der militanten libanesischen Islamistenorganisation Hisbollah, selbst durch einen Anschlag ums Leben gekommen. Am Dienstagabend starb der 45-jährige Libanese palästinensischer Herkunft bei der Explosion einer Autobombe in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Die US-Regierung äußerte sich erfreut. „Er war ein kaltblütiger Killer, ein Massenmörder und ein Terrorist, der für den Verlust unzähliger unschuldiger Leben verantwortlich ist“, sagte Außenamts-Sprecher Sean McCormack in Washington. In Sicherheitskreisen mischt sich in die Erleichterung über Mugniahs Tod die Sorge, das Attentat könnte im Libanon die Bürgerkriegsgefahr erhöhen. Eine Racheaktion der Hisbollah, die von Syrien und Iran unterstützt wird, gilt als wahrscheinlich.

Dass offenbar zielsicher und ohne weitere Tote Mugniah getroffen wurde, werten Sicherheitskreise als Beleg für die Arbeit von Profis. Vermutet wird, dass sie aus Israel kamen oder aus dem Libanon. Im Januar war in Beirut bei der Detonation einer Autobombe ein führender Antiterrorexperte des Landes getötet worden. Der Polizeioffizier war an den Ermittlungen zum Tode des früheren libanesischen Premierministers Rafik Hariri beteiligt, der im Februar 2005 bei einem mutmaßlich vom syrischen Geheimdienst initiierten Autobombenanschlag in Beirut ums Leben kam. Dass Mugniah nun auch mit einer Autobombe getötet wurde, könnte auf einen Racheakt aus den Reihen der antisyrischen Bewegung im Libanon hinweisen, heißt es in Sicherheitskreisen.

Das Land befindet sich in einer schweren Krise, seit November blockieren die prosyrische Hisbollah und ihre Verbündeten die Wahl eines neuen Präsidenten. Die Hisbollah selbst machte jetzt allerdings reflexartig „israelische Zionisten“ für den Tod Mugniahs verantwortlich. In Israel begrüßte Umweltminister Gideon Esra den Anschlag, betonte aber, über den oder die Attentäter nichts zu wissen.

Auf Mugniah, der auch in Verbindung zu Al Qaida und schiitischen Terroristen im Irak gestanden haben soll, hatte die amerikanische Bundespolizei FBI ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Die Liste der ihm zugeschriebenen Verbrechen ist lang. 1983 wurden mehrere hundert Libanesen, Amerikaner und Franzosen bei Anschlägen in Beirut getötet. Die Friedenstruppen der USA und Frankreichs zogen dann aus dem Libanon ab. 1958 entführten Terroristen eine US-Maschine und ermordeten einen amerikanischen Passagier. Mugniah soll auch verantwortlich sein für Anschläge in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, die 1992 die israelische Botschaft (29 Tote) und 1994 ein jüdisches Sozialzentrum (85 Tote) trafen. Mugniah soll zudem Geiselnahmen organisiert haben. Begonnen hatte seine militante Laufbahn in den 70er Jahren, damals zählte er zur Leibwache von Jassir Arafat.

Mugniahs Aufenthalt in Damaskus sehen Experten als weiteres Indiz für die Unterstützung von Terroristen durch Syrien – und den Iran. Es gibt Hinweise, dass Mugniah in Damaskus den Außenminister des Iran treffen wollte. Frank Jansen

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